Salz = Seele


Das unorganisierte Ding sei ein Körnchen Salz. Es wird etwa so sprechen: "Ich allein habe eine Seele, ich und die anderen höchst empfindlichen und feinorganisierten Salze und anderen Steine. Was geht nicht alles in meinem Innenleben vor! Ich fühle, wie die alte Erde mich anzieht, und mein Wille ist es, der zu ihr strebt und das Körnchen unter mir genau nach der Größe meines Willens drückt. Wie reich ist mein Innenleben! Ich habe Beziehungen zu allen Körpern. Die Luft, die über mich hinstreicht, die winzig winzigen Wasserteilchen in dieser Luft, ich empfinde sie und ich will ihnen etwas. Meine Seele ist frei, weil mein Wille frei ist. Es kommt aus der Freiheit meiner Seele her, daß mein freier Wille sich selbst unabänderlich gekettet hat an meine Empfindungen, die freilich wohl von der Außenwelt abhängen. Die Notwendigkeit, unter der mein freier Wille zu stehen scheint, ist nur ein herrlicher Beweis dafür, wie logisch meine Seele ist. Was für ein plumpes, unorganisiertes, seelenloses Geschöpf ist dagegen der Mensch. Wenn man ihn so zappeln und laufen und springen sieht, möchte man ihn für lebendig halten; sein Zappeln ist aber nur eine Art Epilepsie. Der Mensch lebt nicht, denn er löst sich im Wasser nicht auf. Der Mensch lebt nicht, denn er kristallisiert nicht. Der Mensch hat keine Seele. Ich bin der Idealtypus eines schönen Verhältnisses von Seele und Leib. Ich kann mich als Leib oder Seele betrachten, wie ich will, als Natrium oder als Chlor. Ich bin eine Synthese. Der Mensch ist nur ein Gemengsel."


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Seite zuletzt aktualisiert: 30.06.2005 
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