Gesetze und Gesetzgeber


Gesetze und Gesetzgeber (wenn wir genau hinsehen, werden wir oft oder immer bemerken, daß es Personifikationen, daß es also aktive Gesetzgeber sind, was wir in den Naturwissenschaften Gesetze nennen) sind für uns so lange wirksam, als wir an sie glauben. Wie wir ein geliebtes Weib so lange für eine Göttin halten, als wir es gläubig lieben, so sind uns diese hohen Worte übernatürlich, metaphysisch, solange wir ihnen unser Denken unterwerfen. Eines Tages werden diese Worte, Gesetze oder Gesetzgeber, inhaltlos wie verlassene Liebchen und abgesetzte Könige. An die tausend Jahre lang war Gott, der Gott der christlichen Theologie, Gesetzgeber der Welt oder ihr Gesetz. Seit zweihundert Jahren heißt das oberste Gesetz Gravitation. Wir werden die Gravitation einmal zu den leeren Hülsen werfen, wenn sie als zufällige Äußerung einer uns verständlicheren Kraft erkannt sein wird.

Die Historiker, welche die Atomistik der Epikuräer, den christlichen Gott, die Wirbel des Descartes u. s. w mit gleicher, impotenter Liebe zu umfassen vermögen, erinnern an die albernen Schwerenöter, welche die Photographien aller geliebten Mädchen sammeln und aus Eitelkeit allen treu zu sein glauben.  

 

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Seite zuletzt aktualisiert: 30.06.2005