Logik


Am schnellsten und stillsten mag der Teil zusammenstürzen, wie ein Kartenhaus, den wir die Logik nennen und den wir als das älteste, granitene Fundament alles Wissens zu betrachten pflegen. Wohl bindet die Logik die Menschengeister, aber nicht weil sie von irgendwoher übermenschliche Kraft besitzt, sondern weil sie ganz und gar, mit Haut und Haar, mit Urteilen und Schlüssen und Methoden, schon in den ursprünglichen Begriffen oder Worten drinsteckt, und weil diese Worte oder Begriffe erst dann einen Wert haben, wenn sie zwischen den Menschen kursieren, wenn sie die Menschen binden.

Unter dem Einfluß der heute herrschenden Ideen müssen wir dazu gelangen, den Kampf ums Dasein, die alltägliche Not, für die Entstehung der Worte und damit für die Entwicklung der Sprache oder der Vernunft verantwortlich zu machen. Da werden wir das scheinbare Wunder erleben, daß nichts auf der Welt uns davon überzeugen kann, es seien unsere Wahrnehmungen richtige Bilder einer Wirklichkeitswelt außer uns, und daß doch offenbar alle normalen Menschen dieselben Wahrnehmungen besitzen und nach einigen Studien in dieselben Zweifel verfallen. Unsere Betrachtung der Sinnesdaten wird uns lehren, daß unsere Zweifel berechtigt waren, daß die Unendlichkeit der Wirklichkeitsbewegungen nur durch die wenigen schmalen Tore unserer Zufallssinne zu uns gelangen können, daß alles draußen bleiben muß, was keinen Weg zu diesen Toren hat, daß wir uns mit Hilfe unserer fünf oder sechs Zufallssinne in unserer Umgebung orientiert haben. Wir werden aber einsehen, daß die Allgemeingültigkeit der Gesetze, welche wir unseren Sinnesorganen verdanken, also die Allgemeingültigkeit aller wissenschaftlichen Gesetze, sich verstehen läßt, sobald unsere fünf oder sechs Zufallssinne durch Vererbung bei allen Menschen die gleichen Zufallssinne sind. Die Gesetze der Natur- und Geisteswissenschaften werden dann zu einer sozialen Erscheinung, zu den natürlichen Kegeln des Gesellschaftsspiels der menschlichen Welterkenntnis, sie sind die Poetik der fable convenue oder des Wissens.  


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