Künstlerlied


Zu erfinden, zu beschließen,

Bleibe, Künstler, oft allein,

Deines Wirkens zu genießen,

Eile freudig zum Verein!

Dort im Ganzen schau, erfahre

Deinen eignen Lebenslauf,

Und die Taten mancher Jahre

Gehn dir in dem Nachbar auf.

 

Der Gedanke, das Entwerfen,

Die Gestalten, ihr Bezug,

Eines wird das andre schärfen,

Und am Ende sei's genug!

Wohl erfunden, klug ersonnen,

Schön gebildet, zart vollbracht,

So von jeher hat gewonnen

Künstler kunstreich seine Macht.

 

Wie Natur im Vielgebilde

Einen Gott nur offenbart,

So im weiten Kunstgefilde

Webt ein Sinn der ew'gen Art;

Dieses ist der Sinn der Wahrheit,

Der sich nur mit Schönem schmückt

Und getrost der höchsten Klarheit

Hellsten Tags entgegenblickt.

 

Wie beherzt in Reim und Prose

Redner, Dichter sich ergehn,

Soll des Lebens heitre Rose

Frisch auf Malertafel stehn,

Mit Geschwistern reich umgeben,

Mit des Herbstes Frucht umlegt,

Daß sie von geheimem Leben

Offenbaren Sinn erregt.

 

Tausendfach und schön entfließe

Form aus Formen deiner Hand,

Und im Menschenbild genieße,

Daß ein Gott sich hergewandt.

Welch ein Werkzeug ihr gebrauchet,

Stellet euch als Brüder dar;

Und gesangweis flammt und rauchet

Opfersäule vom Altar.


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Seite zuletzt aktualisiert: 26.06.2005 
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