Groß ist die Diana der Epheser


Apostelgeschichte 19, 39

 

Zu Ephesus ein Goldschmied saß

In seiner Werkstatt, pochte,

So gut er konnt', ohn' Unterlaß,

So zierlich er's vermochte.

Als Knab und Jüngling kniet' er schon

Im Tempel vor der Göttin Thron

Und hatte den Gürtel unter den Brüsten,

Worin so manche Tiere nisten,

Zu Hause treulich nachgefeilt,

Wie's ihm der Vater zugeteilt;

Und leitete sein kunstreich Streben

In frommer Wirkung durch das Leben.

 

Da hört er denn auf einmal laut

Eines Gassenvolkes Windesbraut,

Als gäb's einen Gott so im Gehirn,

Da, hinter des Menschen alberner Stirn,

Der sei viel herrlicher als das Wesen,

An dem wir die Breite der Gottheit lesen.

 

Der alte Künstler horcht nur auf,

Läßt seinen Knaben auf den Markt den Lauf,

Feilt immer fort an Hirschen und Tieren,

Die seiner Gottheit Kniee zieren;

Und hofft, es könnte das Glück ihm walten,

Ihr Angesicht würdig zu gestalten.

 

Will's aber einer anders halten,

So mag er nach Belieben schalten;

Nur soll er nicht das Handwerk schänden;

Sonst wird er schlecht und schmählich enden.


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Seite zuletzt aktualisiert: 26.06.2005 
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