Das Wiedersehn


Er

Süße Freundin, noch einen, nur einen Kuß noch gewähre

    Diesen Lippen! Warum bist du mir heute so karg?

Gestern blühte wie heute der Baum; wir wechselten Küsse

    Tausendfältig; dem Schwarm Bienen verglichst du sie ja,

Wie sie den Blüten sich nahn und saugen, schweben und wieder

    Saugen, und lieblicher Ton süßen Genusses erschallt.

Alle noch üben das holde Geschäft. Und wäre der Frühling

    Uns vorübergefloh'n, eh' sich die Blüte zerstreut?

 

Sie

Träume, lieblicher Freund, nur immer! rede von gestern

    Gerne hör' ich dich an, drücke dich redlich ans Herz.

"Gestern", sagst du? - Es war, ich weiß, ein köstliches Gestern;

    Worte verklangen im Wort, Küsse verdrängten den Kuß.

Schmerzlich war's, zu scheiden am Abende, traurig die lange

    Nacht von gestern auf heut, die den Getrennten gebot.

Doch der Morgen kehret zurück. Ach! daß mir indessen

    Zehnmal, leider! der Baum Blüten und Früchte gebracht!


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Seite zuletzt aktualisiert: 25.06.2005 
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