Deine Liebe, dein Kuß...


Dichter

Deine Liebe, dein Kuß mich entzückt!

Geheimnisse mag ich nicht erfragen;

Doch sag' mir, ob du an irdischen Tagen

Jemals Teil genommen?

Mir ist es oft so vorgekommen,

Ich wollt' es beschwören, ich wollt' es beweisen,

Du hast einmal Suleika geheißen.

 

Huri

Wir sind aus den Elementen geschaffen,

Aus Wasser, Feuer, Erd' und Luft

Unmittelbar; und irdischer Duft

Ist unserm Wesen ganz zuwider.

Wir steigen nie zu euch hernieder;

Doch wenn ihr kommt, bei uns zu ruhn,

Da haben wir genug zu tun.

 

Denn, siehst du, wie die Gläubigen kamen,

Von dem Propheten so wohl empfohlen,

Besitz vom Paradiese nahmen,

Da waren wir, wie er befohlen,

So liebenswürdig, so charmant,

Wie uns die Engel selbst nicht gekannt.

 

Allein der Erste, Zweite, Dritte,

Die hatten vorher eine Favorite;

Gegen uns waren's garstige Dinger,

Sie aber hielten uns doch geringer;

Wir waren reizend, geistig, munter:

Die Moslems wollten wieder hinunter.

 

Nun war uns himmlisch Hochgebornen

Ein solch Betragen ganz zuwider,

Wir aufgewiegelten Verschwornen

Besannen uns schon hin und wieder;

Als der Prophet durch alle Himmel fuhr,

Da paßten wir auf seine Spur;

Rückkehrend hatt' er sich's nicht verseh'n,

Das Flügelpferd, es mußte steh'n.

 

Da hatten wir ihn in der Mitte! 

Freundlich ernst, nach Prophetensitte,

Wurden wir kürzlich von ihm beschieden;

Wir aber waren sehr unzufrieden.

Denn seine Zwecke zu erreichen,

Sollten wir eben alles lenken;

So wie ihr dächtet, sollten wir denken,

Wir sollten euren Liebchen gleichen.

 

Unsere Eigenliebe ging verloren,

Die Mädchen krauten hinter den Ohren,

Doch, dachten wir, im ewigen Leben

Muß man sich eben in alles ergeben.

Nun sieht ein jeder, was er sah,

Und ihm geschieht, was ihm geschah.

Wir sind die Blonden, wir sind die Braunen,

Wir haben Grillen und haben Launen,

Ja, wohl auch manchmal eine Flause;

Ein jeder denkt, er sei zu Hause,

Und wir darüber sind frisch und froh,

Daß sie meinen, es wäre so.

 

Du aber bist von freiem Humor,

Ich komme dir paradiesisch vor;

Du gibst dem Blick, dem Kuß die Ehre,

Und wenn ich auch nicht Suleika wäre.

Doch da sie gar zu lieblich war,

So glich sie mir wohl auf ein Haar.

 

Dichter

Du blendest mich mit Himmelsklarheit;

Es sei nun Täuschung oder Wahrheit,

Genug, ich bewundre dich vor allen.

Um ihre Pflicht nicht zu versäumen,

Um einem Deutschen zu gefallen,

Spricht eine Huri in Knittelreimen.

 

Huri

Ja, reim' auch du nur unverdrossen,

Wie es dir aus der Seele steigt!

Wir paradiesische Genossen

Sind Wort und Taten reinen Sinns geneigt.

Die Tiere, weißt du, sind nicht ausgeschlossen,

Die sich gehorsam, die sich treu erzeigt!

Ein derbes Wort kann Huri nicht verdrießen;

Wir fühlen, was vom Herzen spricht,

Und was aus frischer Quelle bricht,

Das darf im Paradiese fließen.


 © textlog.de 2004 • 14.12.2017 17:58:40 •
Seite zuletzt aktualisiert: 22.06.2005 
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