Nicht mehr auf Seidenblatt...


Nicht mehr auf Seidenblatt

Schreib' ich symmetrische Reime,

Nicht mehr fass' ich sie

In goldne Ranken:

Dem Staub, dem beweglichen, eingezeichnet,

Überweht Sie der Wind, aber die Kraft besteht,

Bis zum Mittelpunkt der Erde

Dem Boden angebannt.

Und der Wandrer wird kommen,

Der liebende. Betritt er

Diese Stelle, ihm zuckt's

Durch alle Glieder.

"Hier! vor mir liebte der Liebende,

War es Medschnun, der zarte?

Ferhad, der kräftige? Dschemil, der dauernde?

Oder von jenen tausend

Glücklich-Unglücklichen Einer?

Er liebte! Ich liebe wie er.

Ich ahn' ihn!"

Suleika, du aber ruhft Auf dem zarten Polster,

Das ich dir bereitet und geschmückt.

Auch dir zuckt's aufweckend durch die Glieder:

"Er ist's, der mich ruft, Hatem.

Auch ich rufe dir, o Hatem! Hatem!"


 © textlog.de 2004 • 15.12.2017 00:02:58 •
Seite zuletzt aktualisiert: 22.06.2005 
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