Der Winter und Timur


So umgab sie nun der Winter

Mit gewalt'gem Grimme. Streuend

Seinen Eishauch zwischen alle,

Hetzt' er die verschiednen Winde

Widerwärtig auf sie ein.

Über sie gab er Gewaltkraft

Seinen frostgespitzten Stürmen,

Stieg in Timurs Rat hernieder,

Schrie ihn drohend an und sprach so:

»Leise, langsam, Unglücksel'ger!

Wandle, du Tyrann des Unrechts!

Sollen länger noch die Herzen

Sengen, brennen deinen Flammen?

Bist du der verdammten Geister

Einer, wohl! ich bin der andre.

Du bist Greis; ich auch! erstarren

Machen wir so Land als Menschen.

Mars! du bist's! Ich bin Saturnus,

Übeltätige Gestirne,

Im Verein die schrecklichsten.

Tötest du die Seele, kältest

Du den Luftkreis: meine Lüfte

Sind noch kälter, als du sein kannst.

Quälen deine wilden Heere

Gläubige mit tausend Martern,

Wohl! in meinen Tagen soll sich,

Geb es Gott! was Schlimmres finden.

Und bei Gott, dir schenk' ich nichts.

Hör' es Gott, was ich dir biete!

Ja bei Gott! von Todeskälte

Nicht, o Greis, verteid'gen soll dich

Breite Kohlenglut vom Herde,

Keine Flamme des Dezembers.«


 © textlog.de 2004 • 21.10.2017 04:51:07 •
Seite zuletzt aktualisiert: 22.06.2005 
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