Alleben


Staub ist eins der Elemente,

Das du gar geschickt bezwingest,

Hafis, wenn zu Liebchens Ehren

Du ein zierlich Liedchen singest.

 

Denn der Staub auf ihrer Schwelle

Ist dem Teppich vorzuziehen,

Dessen goldgewirkte Blumen

Mahmuds Günstlinge beknieen.

 

Treibt der Wind von ihrer Pforte

Wolken Staubs behend vorüber,

Mehr als Moschus sind die Düfte

Und als Rosenöl dir lieber.

 

Staub, den hab' ich längst entbehret

In dem stets umhüllten Norden,

Aber in dem heißen Süden

Ist er mir genugsam worden.

 

Doch schon längst, daß liebe Pforten

Mir auf ihren Angeln schwiegen!

Heile mich, Gewitterregen,

Laß mich, daß es grunelt, riechen!

 

Wenn jetzt alle Donner rollen

Und der ganze Himmel leuchtet,

Wird der wilde Staub des Windes

Nach dem Boden hingefeuchtet.

 

Und sogleich entspringt ein Leben,

Schwillt ein heilig heimlich Wirken,

Und es grunelt, und es grünet

In den irdischen Bezirken.


 © textlog.de 2004 • 13.12.2017 02:43:18 •
Seite zuletzt aktualisiert: 22.06.2005 
Abuse Trap
  Home  Impressum  Copyright