Emilie an Klara

 

    Ihr Himmlischen! das war er. Kannst du mir

Es glauben? - Beste! - wärst du bei mir! - Er!

Der Hohe, der Gefürchtete, Geliebte! -

Mein bebend Herz, hast du so viel gewollt?

 

    Da ging ich so zurück mit meinen Blumen,

Sah auf den Pfad, den abendrötlichen,

In meiner Stille nieder, und es schlief

Mir sanft im Busen das Vergangene,

Ein kindlich Hoffen atmete mir auf;

Wie wenn uns zwischen süßem Schlaf und Wachen

Die Augen halb geöffnet sind, so war

Ich Blinde. Sieh! da stand er vor mir, mein

Heroë, und ich Arme war, wie tot,

Und ihm, dem Brüderlichen, überglänzte

Das Angesicht, wie einem Gott, die Freude.

 

    »Emilie!« - das war sein frommer Gruß.

Ach! alles Sehnen weckte mir und all

Das liebe Leiden, so ich eingewiegt,

Der goldne Ton des Jünglings wieder auf!

Nicht aufsehn durft' ich! keine Silbe durft'

Ich sagen! O, was hätt ich ihm gesagt!

 

    Was wein' ich denn, du Gute! - laß mich nur!

Nun darf ich ja, nun ists so töricht nimmer,

Und schön ists, wenn der Schmerz mit seiner Schwester,

Der Wonne, sich versöhnt, noch eh' er weggeht.

 

    O Wiedersehn! das ist noch mehr, du Liebe!

Als wenn die Bäume wieder blühn, und Quellen

Von neuem fröhlich rauschen -

 

Ja! ich hab'

Ihn oft gesucht und ernstlich oft es mir

Versagt, doch wollt' ich sein Gedächtnis ehren.

 

    Die Bilder der Gespielen, die mit mir

Auf grüner Erd' in stummer Kindheit saßen,

Sie dämmern ja um meine Seele mir,

Und dieser edle Schatte, sollt er nicht?

Das Herz im Busen, das unsterbliche,

Kann nicht vergessen, sieh! und öfters bringt

Ein guter Genius die Liebenden

Zusammen, daß ein neuer Tag beginnt,

Und ihren Mai die Seele wieder feiert.

 

    O wunderbar ist mir! auch er! - daß du

Hinunter mußtest, Lieber! ehe dir

Das deine ward, und dich die frohe Braut

Zum Männerruhme segnete! Doch starbst

Du schön, und oft hab' ich gehört, es fallen

Die Lieblinge des Himmels früh, damit

Sie sterblich Glück und Leid und Alter nicht

Erfahren. Nimmermehr vergeß ich dich,

Und ehren soll er dich. Dein Bild will ich

Ihm zeigen, wenn er kömmt; und wenn der Stolze

Sich dann verwundert, daß er sich bei mir

Gefunden, sag' ich ihm, es sei ein andrer,

Und den er lieben müsse. O, er wirds!


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Seite zuletzt aktualisiert: 12.06.2005 
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