Emilie an Klara

 

    Da schrieb er mir. Ja! teures Herz! er ists,

Den ich gesucht. Wie dieser Jüngling mich

Demütiget und hebt! Nun! lies es nur!

»So bist du's wieder, und ich habe dich

Gegrüßt, gefunden, habe dich noch Einmal

In deiner frommen Ruh gestört, du Kind

Des Himmels! - Nein Emilie! du kanntest

Mich ja. Ich kann nicht fragen. Wir sind's,

Die Längstverwandten, die der Gott getraut,

Und bleiben wird es, wie die Sonne droben.

Ich bin voll Freude, schöne Seele! bin

Der neuen Melodieen ungewohnt.

Es ist ein anders Lied, als jenes, so

Dem Jünglinge die Parze lehrend singt,

Bis ihm, wie Wohllaut, ihre Weise tönt;

Dann gönnt sie ihm, du Friedliche! von dir

Den süßern Ton, den liebsten, einzigen

Zu hören. Mein? o sieh! du wirst in Lust

Die Mühe mir und was mein Herz gebeut,

Du wirst es all in heil'ge Liebe wandeln.

Und hab ich mit Unmöglichem gerungen,

Und mir die Brust zu Treu und Ruh gehärtet,

Du wärmest sie mit frommer Hoffnung mir,

Daß sie vertrauter mit dem Siege schlägt.

Und wenn das Urbild, das, wie Morgenlicht,

Mir aus des Lebens dunkler Wolke stieg,

Das himmlische, mir schwindet, seh ich Dich,

Und eine schöne Götterbotin, mahnst

Du lächelnd mich an meinen Phoebus wieder;

Und wenn ich zürne, sänftigest du mich.

Dein Schüler bin ich dann, und lausch und lerne.

Von deinem Munde nehm' ich, Zauberin,

Des Überredens süße Gabe mir,

Daß sie die Geister freundlich mir bezwingt,

Und wenn ich ferne war von dir, und wund

Und müd dir wiederkehre, heilst du mich

Und singst in Ruhe mich, du holde Muse!

 

    Emilie! daß wir uns wiedersahn!

Daß wir uns einst gefunden, und du nun

Mich nimmer fliehst und nahe bist!

Zu gern, Zu gern entwich dein stolzes Bild dem Wandrer,

Das zarte, reine, da du ferne warst,

Du Heiligschönes! Doch ich sah dich oft,

Wenn ich des Tags allein die Pfade ging,

Und abends in der fremden Hütte schwieg.

 

    O heute! grüße, wenn du willst, den Vater!

Ich kenn' ihn wohl; auch meinen Namen kennt er;

Und seiner Freunde Freund bin ich. Ich wußte nicht,

Daß er es war, da wir zuerst einander

Begegneten, und lang erfuhr ichs nicht.

Bald grüß ich schöner dich. - Armenion.«


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Seite zuletzt aktualisiert: 12.06.2005 
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