Des Morgens


Vom Taue glänzt der Rasen; beweglicher

   Eilt schon die wache Quelle; die Buche neigt

      Ihr schwankes Haupt und im Geblätter

         Rauscht es und schimmert; und um die grauen

 

Gewölke streifen rötliche Flammen dort,

   Verkündende, sie wallen geräuschlos auf;

      Wie Fluten am Gestade, wogen

         Höher und höher die Wandelbaren.

 

Komm nun, o komm, und eile mir nicht zu schnell,

   Du goldner Tag, zum Gipfel des Himmels fort!

      Denn offner fliegt, vertrauter dir mein

         Auge, du Freudiger! zu, solang du

 

In deiner Schöne jugendlich blickst und noch

   Zu herrlich nicht, zu stolz mir geworden bist;

      Du möchtest immer eilen, könnt ich,

         Göttlicher Wandrer, mit dir! - doch lächelst

 

Des frohen Übermütigen du, daß er

   Dir gleichen möchte; segne mir lieber dann

      Mein sterblich Tun und heitre wieder

         Gütiger! heute den stillen Pfad mir.


 © textlog.de 2004 • 17.10.2017 00:16:56 •
Seite zuletzt aktualisiert: 12.06.2005 
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