Der Zeitgeist


Zu lang schon waltest über dem Haupte mir,

   Du in der dunkeln Wolke, du Gott der Zeit!

      Zu wild, zu bang ist's ringsum, und es

         Trümmert und wankt ja, wohin ich blicke.

 

Ach! wie ein Knabe, seh' ich zu Boden oft,

   Such' in der Höhle Rettung von dir, und möcht',

      Ich Blöder, eine Stelle finden,

         Alleserschütt'rer! wo du nicht wärest.

 

Laß endlich, Vater! offenen Aug's mich dir

   Begegnen! hast denn du nicht zuerst den Geist

      Mit deinem Strahl aus mir geweckt? mich

         Herrlich ans Leben gebracht, o Vater! -

 

Wohl keimt aus jungen Reben uns heil'ge Kraft;

   In milder Luft begegnet den Sterblichen,

      Und wenn sie still im Haine wandeln,

         Heiternd ein Gott; doch allmächt'ger weckst du

 

Die reine Seele Jünglingen auf, und lehrst

   Die Alten weise Künste; der Schlimme nur

      Wird schlimmer, daß er bälder ende,

         Wenn du, Erschütterer! ihn ergreifest.


 © textlog.de 2004 • 15.12.2017 05:18:13 •
Seite zuletzt aktualisiert: 12.06.2005 
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