Das fröhliche Leben


Wenn ich auf die Wiese komme,

Wenn ich auf dem Felde jetzt,

Bin ich noch der Zahme, Fromme,

Wie von Dornen unverletzt.

Mein Gewand in Winden wehet,

Wie der Geist mir lustig fragt,

Worin Inneres bestehet,

Bis Auflösung diesem tagt.

 

O vor diesem sanften Bilde,

Wo die grünen Bäume stehn,

Wie vor einer Schenke Schilde

Kann ich kaum vorübergehn.

Denn die Ruh an stillen Tagen

Dünkt entschieden trefflich mir,

Dieses mußt du gar nicht fragen,

 

Wenn ich soll antworten dir.

Aber zu dem schönen Bache

Such' ich einen Lustweg wohl,

Der, als wie in dem Gemache,

Schleicht durchs Ufer wild und hohl,

Wo der Steg darüber gehet,

Geht's den schönen Wald hinauf,

Wo der Wind den Steg umwehet,

Sieht das Auge fröhlich auf.

 

Droben auf des Hügels Gipfel

Sitz' ich manchen Nachmittag,

Wenn der Wind umsaust die Wipfel,

Bei des Turmes Glockenschlag,

Und Betrachtung gibt dem Herzen

Frieden, wie das Bild auch ist,

Und Beruhigung den Schmerzen,

Welche reimt Verstand und List.

 

Holde Landschaft! wo die Straße

Mitten durch sehr eben geht,

Wo der Mond aufsteigt, der blasse,

Wenn der Abendwind entsteht,

Wo die Natur sehr einfältig,

Wo die Berg' erhaben stehn,

Geh ich heim zuletzt, haushältig,

Dort nach goldnem Wein zu sehn.


 © textlog.de 2004 • 21.12.2014 14:23:36 •
Seite zuletzt aktualisiert: 12.06.2005 
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