Hyperions Schicksalslied


Ihr wandelt droben im Licht

   Auf weichem Boden, selige Genien!

      Glanzende Götterlüfte

         Rühren euch leicht,

            Wie die Finger der Künstlerin

               Heilige Saiten.

 

Schicksallos, wie der schlafende

   Säugling, atmen die Himmlischen;

      Keusch bewahrt

         In bescheidener Knospe,

            Blühet ewig

               Ihnen der Geist,

                  Und die seligen Augen

                     Blicken in stiller

                        Ewiger Klarheit.

 

Doch uns ist gegeben,

   Auf keiner Stätte zu ruhn,

      Es schwinden, es fallen

         Die leidenden Menschen

            Blindlings von einer

               Stunde zur andern,

                  Wie Wasser Voll Klippe

                     Zu Klippe geworfen,

                        Jahr lang ins Ungewisse hinab.


 © textlog.de 2004 • 06.12.2016 13:09:50 •
Seite zuletzt aktualisiert: 12.06.2005 
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