An Herkules


In der Kindheit Schlaf begraben

Lag ich, wie das Erz im Schacht;

Dank, mein Herkules! den Knaben

Hast zum Manne du gemacht,

Reif bin ich zum Königssitze

Und mir brechen stark und groß

Taten, wie Kronions Blitze,

Aus der Jugend Wolke los.

 

Wie der Adler seine Jungen,

Wenn der Funk' im Auge klimmt,

Auf die kühnen Wanderungen

In den frohen Aether nimmt,

Nimmst du aus der Kinderwiege,

Von der Mutter Tisch und Haus

In die Flamme deiner Kriege,

Hoher Halbgott, mich hinaus.

 

Wähntest du, dein Kämpferwagen

Rolle mir umsonst ins Ohr?

Jede Last, die du getragen,

Hub die Seele mir empor,

Zwar der Schüler mußte zahlen;

Schmerzlich brannten, stolzes Licht,

Mir im Busen deine Strahlen,

Aber sie verzehrten nicht.

 

Wenn für deines Schicksals Wogen

Hohe Götterkräfte dich,

Kühner Schwimmer! auferzogen,

Was erzog dem Siege mich?

Was berief den Vaterlosen,

Der in dunkler Halle saß,

Zu dem Göttlichen und Großen,

Daß er kühn an dir sich maß?

 

Was ergriff und zog vom Schwarme

Der Gespielen mich hervor?

Was bewog des Bäumchens Arme

Nach des Aethers Tag empor?

Freundlich nahm des jungen Lebens

Keines Gärtners Hand sich an,

Aber kraft des eignen Strebens

Blickt und wuchs ich himmelan.

 

Sohn Kronions! an die Seite

Tret' ich nun errötend dir,

Der Olymp ist deine Beute;

Komm und teile sie mit mir!

Sterblich bin ich zwar geboren,

Dennoch hat Unsterblichkeit

Meine Seele sich geschworen,

Und sie hält, was sie gebeut.


 © textlog.de 2004 • 24.10.2017 06:10:48 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.06.2005 
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