Meine Genesung


An Lyda

 

Jede Blüte war gefallen

Von dem Stamme; Mut und Kraft,

Fürder meine Bahn zu wallen,

War im Kampfe mir erschlafft;

Weggeschwunden Lust und Leben,

Früher Jahre stolze Ruh;

Meinem Grame hingegeben,

Wankt ich still dem Grabe zu.

 

Himmel, wie das Herz vergebens

Oft nach edler Liebe rang,

Oft getäuscht des Erdelebens

Träum' und Hoffnungen umschlang!

Ach, den Kummer abzuwenden,

Bat ich, freundliche Natur!

Oft von deinen Mutterhänden

Einen Tropfen Freude nur.

 

Ha, an deinem Göttermahle

Trink ich nun Vergessenheit,

In der vollen Zauberschale

Reichst du Kraft und Süßigkeit.

In Entzückungen verloren

Staun' ich die Verwandlung an!

Flur und Hain ist neugeboren,

Göttlich strahlt der Lenz heran. -

 

Daß ich wieder Kraft gewinne,

Frei wie einst und selig bin,

Dank ich deinem Himmelssinne,

Lyda, süße Retterin!

Labung lächelte dem Müden,

Hohen Mut dein Auge zu,

Hohen Mut, wie du zufrieden,

Gut zu sein und groß wie du.

 

Stark in meiner Freuden Fülle

Wall ich fürder nun die Bahn,

Reizend in der Wolkenhülle

Flammt das ferne Ziel mich an.

Mags den Peinigern gelingen!

Mag die bleiche Sorge sich

Um die stille Klause schwingen!

Lyda! Lyda tröstet mich!


 © textlog.de 2004 • 16.12.2017 11:50:26 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.06.2005 
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