IV

 

Es ist die Stunde, da das Reich sich eitel

in seines Glanzes vielen Spiegeln sieht.

 

Der blasse Zar, des Stammes letztes Glied,

träumt auf dem Thron, davor das Fest geschieht,

und leise zittert sein beschämter Scheitel

und seine Hand, die vor den Purpurlehnen

mit einem unbestimmten Sehnen

ins wirre Ungewisse flieht.

 

Und um sein Schweigen neigen sich Bojaren

in blanken Panzern und in Pantherfellen,

wie viele fremde fürstliche Gefahren,

die ihn mit stummer Ungeduld umstellen.

Tief in den Saal schlägt ihre Ehrfurcht Wellen.

 

Und sie gedenken eines andern Zaren,

der oft mit Worten, die aus Wahnsinn waren,

ihnen die Stirnen an die Steine stieß.

Und denken also weiter: jener ließ

nicht so viel Raum, wenn er zu Throne saß,

auf dem verwelkten Samt des Kissens leer.

 

Er war der Dinge dunkles Maß,

und die Bojaren wußten lang nicht mehr,

daß rot der Sitz des Sessels sei, so schwer

lag sein Gewand und wurde golden breit.

Und weiter denken sie: das Kaiserkleid

schläft auf den Schultern dieses Knaben ein.

Obgleich im ganzen Saal die Fackeln flacken,

sind bleich die Perlen, die in sieben Reihn,

wie weiße Kinder, knien um seinen Nacken,

und die Rubine an den Ärmelzacken,

die einst Pokale waren, klar von Wein,

sind schwarz wie Schlacken -

 

Und ihr Denken schwillt.

 

Es drängt sich heftig an den blassen Kaiser,

auf dessen Haupt die Krone immer leiser

und dem der Wille immer fremder wird;

er lächelt. Lauter prüfen ihn die Preiser,

ihr Neigen nähert sich, sie schmeicheln heiser. -

und eine Klinge hat im Traum geklirrt.


 © textlog.de 2004 • 11.12.2017 03:25:08 •
Seite zuletzt aktualisiert: 10.06.2005 
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