Von den Fontänen


Auf einmal weiß ich viel von den Fontänen,

den unbegreiflichen Bäumen aus Glas.

Ich könnte reden wie von eignen Tränen,

die ich, ergriffen von sehr großen Träumen,

einmal vergeudete und dann vergaß.

 

Vergaß ich denn, daß Himmel Hände reichen

zu vielen Dingen und in das Gedränge?

Sah ich nicht immer Großheit ohnegleichen

im Aufstieg alter Parke, vor den weichen

erwartungsvollen Abenden, - in bleichen

aus fremden Mädchen steigenden Gesängen,

die überfließen aus der Melodie

und wirklich werden und als müßten sie

sich spiegeln in den aufgetanen Teichen?

 

Ich muß mich nur erinnern an das Alles,

was an Fontänen und an mir geschah, -

dann fühl ich auch die Last des Niederfalles,

in welcher ich die Wasser wiedersah:

Und weiß von Zweigen, die sich abwärts wandten,

von Stimmen, die mit kleiner Flamme brannten,

von Teichen, welche nur die Uferkanten

schwachsinnig und verschoben wiederholten,

von Abendhimmeln, welche von verkohlten

westlichen Wäldern ganz entfremdet traten

sich anders wölbten, dunkelten und taten

als wär das nicht die Welt, die sie gemeint...

 

Vergaß ich denn, daß Stern bei Stern versteint

und sich verschließt gegen die Nachbargloben?

Daß sich die Welten nur noch wie verweint

im Raum erkennen? - Vielleicht sind wir oben,

in Himmel andrer Wesen eingewoben,

die zu uns aufschaun abends. Vielleicht loben

uns ihre Dichter. Vielleicht beten viele

zu uns empor. Vielleicht sind wir die Ziele

von fremden Flüchen, die uns nie erreichen,

Nachbaren eines Gottes, den sie meinen

in unsrer Höhe, wenn sie einsam weinen,

an den sie glauben und den sie verlieren,

und dessen Bildnis, wie ein Schein aus ihren

suchenden Lampen, flüchtig und verweht

über unsere zerstreuten Gesichter geht....


 © textlog.de 2004 • 22.10.2017 14:05:42 •
Seite zuletzt aktualisiert: 10.06.2005 
Abuse Trap
  Home  Impressum  Copyright