Im Dorf


1

 

Aus braunen Mauern tritt ein Dorf, ein Feld.

Ein Hirt verwest auf einem alten Stein.

Der Saum des Walds schließt blaue Tiere ein,

Das sanfte Laub, das in die Stille fällt.

 

Der Bauern braune Stirnen. Lange tönt

Die Abendglocke; schön ist frommer Brauch,

Des Heilands schwarzes Haupt im Dornenstrauch,

Die kühle Stube, die der Tod versöhnt.

 

Wie bleich die Mütter sind. Die Bläue sinkt

Auf Glas und Truh, die stolz ihr Sinn bewahrt;

Auch neigt ein weißes Haupt sich hochbejahrt

Aufs Enkelkind, das Milch und Sterne trinkt.

 

 

2

 

Der Arme, der im Geiste einsam starb,

Steigt wächsern über einen alten Pfad.

Die Apfelbäume sinken kahl und stad

Ins Farbige ihrer Frucht, die schwarz verdarb.

 

Noch immer wölbt das Dach aus dürrem Stroh

Sich übern Schlaf der Kühe. Die blinde Magd

Erscheint im Hof; ein blaues Wasser klagt;

Ein Pferdeschädel starrt vom morschen Tor.

 

Der Idiot spricht dunklen Sinns ein Wort

Der Liebe, das im schwarzen Busch verhallt,

Wo jene steht in schmaler Traumgestalt.

Der Abend tönt in feuchter Bläue fort.

 

 

3

 

Ans Fenster schlagen Äste föhnentlaubt.

Im Schoß der Bäurin wächst ein wildes Weh.

Durch ihre Arme rieselt schwarzer Schnee;

Goldäugige Eulen flattern um ihr Haupt.

 

Die Mauern starren kahl und grauverdreckt

Ins kühle Dunkel. Im Fieberbette friert

Der schwangere Leib, den frech der Mond bestiert.

Vor ihrer Kammer ist ein Hund verreckt.

 

Drei Männer treten finster durch das Tor

Mit Sensen, die im Feld zerbrochen sind.

Durchs Fenster klirrt der rote Abendwind;

Ein schwarzer Engel tritt daraus hervor.


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Seite zuletzt aktualisiert: 08.06.2005 
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