Mein Vorsatz


O Freunde! Freunde! die ihr so treu mich liebt!

   Was trübet meine einsame Blicke so?

      Was zwingt mein armes Herz in diese

         Wolkenumnachtete Totenstille?

 

Ich fliehe euren zärtlichen Händedruck,

   Den seelenvollen, seligen Bruderkuß.

      O zürnt mir nicht, daß ich ihn fliehe!

         Schaut mir ins Innerste! Prüft und richtet! -

 

Ists heißer Durst nach Männervollkommenheit?

   Ists leises Geizen um Hekatombenlohn?

      Ists schwacher Schwung nach Pindars Flug? ists

         Kämpfendes Streben nach Klopstocksgröße?

 

Ach Freunde! welcher Winkel der Erde kann

   Mich decken, daß ich ewig in Nacht gehüllt

      Dort weine? Ich erreich' ihn nie, den

         Weltenumeilenden Flug der Großen.

 

Doch nein! hinan den herrlichen Ehrenpfad!

   Hinan! hinan! im glühenden kühnen Traum

      Sie zu erreichen; muß ich einst auch

      Sterbend noch stammeln: Vergeßt mich, Kinder


 © textlog.de 2004 • 14.12.2017 01:16:38 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.06.2005 
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