An die Nachtigall


Dir flüstert's leise - Nachtigall! dir allein,

   Dir, süße Tränenweckerin! sagt es nur

      Die Saite. - Stellas wehmutsvoller

         Seufzer - er raubte mein Herz - dein Kehlchen -

 

Es klagte - o! es klagte - wie Stella ists.

   Starr sah ich hin beim Seufzer, wie, als dein Lied

      Am liebevollsten schlug, am schönsten

         Aus der melodischen Kehle strömte.

 

Dann sah ich auf, sah bebend, ob Stellas Blick

   Mir lächle - ach! ich suche dich, Nachtigall!

      Und du verbirgst dich. - Wem, o Stella!

         Seufztest du? Sangest du mir, du süße?

 

Doch nein! doch nein! ich will es ja nicht, dein Lied,

   Von ferne will ich lauschen - o! singe dann!

      Die Seele schläft - und plötzlich schlägt die

         Brust mir empor zum erhabnen Lorbeer.

 

O Stella! sag es! sag es! - ich bebe nicht! -

   Es tötete die Wonne, geliebt zu sein,

      Den Schwärmer. - Aber tränend will ich

         Deinen beglückten Geliebten segnen.

 


 © textlog.de 2004 • 13.12.2017 14:52:37 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.06.2005 
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