Naht

Naht lat. sutura, 1. natürliche Vereinigung von Knochen, 2. künstliche Vereinigung von Weichteilen, auch Knochen, durch die Naht: Wundnaht durch verschiedenartig gekrümmte Nadeln, die mit der Hand oder mit Nadelhaltern geführt werden; vgl. Unbefingert, Apodaktyl. Auch gestielte Nadeln werden benutzt. Als Faden dienen Seide, Zwirn, Katgut, Silberdraht usw. Am gebräuchlichsten ist die Knopfnaht; ein Faden wird durch beide Wundränder gezogen und dann geknüpft. Auch hierfür unterscheidet man verschiedene Arten der Knüpfung: Schiffer-, Weiber- und Chirurgischer Knoten. Für jede neue Naht dient ein anderer Faden. Außer den Vereinigungsnähten, die nahe dem Wundrande angelegt werden, macht man oft in einiger Entfernung Entspannungsnähte. Andere Formen der Naht sind die fortlaufende Naht, TILLMANNS 1882, Kürschner-Naht auch in der Form der Tabaksbeutelnaht, z. B. zum Verschluß der Serosa über den versenkten Wurmfortsatzstumpf bei Appendizitisoperation. Weitere selten angewandte Naht sind: die fortlaufend geschürzte Languetten-Naht, die mäandrisch fortlaufende Matratzennaht, die umschlungene Naht, wobei lange Nadeln in größerem Abstand von den Wundrändern durchgestochen und durch einen in Achterschleifen umgelegten Faden befestigt werden. Pfeilernaht bei Herniotomie, s. d. Unblutige Naht durch federnde Zängelchen, Serres fines, die die Ränder zusammenhalten, oder durch MICHEL Wundklammern s. auch Klammern. Falls sich die Wundränder nach Entfernung der Naht wieder lösen, sowie bei anfangs offen gelassenen Wunden legt man eine sekundäre Naht an. Bei Operationswunden näht man oft die einzelnen Schichten der äußeren Bedeckungen für sich; Bauchfell, Muskeln, Faszie, Haut: Schicht- oder Etagennaht. Vgl. Darmnaht, Nervennaht und Gefäßnaht s. bei Transplantation. Knochen vereinigt man durch Drahtnähte oder durch Nägel, Klammern, Schrauben, Knochenstifte usw. Soweit die Nähte in die Tiefe versenkt werden, sollen sie, wie auch das Gefäßunterbinde-Material reaktionslos einheilen. Zu diesem Zwecke dienen vorzügl. die resorbierbaren Katgut-, Seidenwurmdarm- usw. Fäden, wenn auch — wirklich steriles — Nahtmaterial gut einheilt (Seide, Zwirn, Zelluloid, Silber usw.). Besondere Sorgfalt wird der Desinfektion dieses Materials zugewendet. Wo immer möglich (bei Katgut erst nach Härtung für 48 Stunden in 2—4 % Formalinlösung) wird durch Kochen (in strömenden Dampf) sterilisiert. Bei Seide z. B. wird auch noch Durchtränkung mit Karbolsäure empfohlen, bei Katgut, wenn nicht wie oben behandelt, 8 tägiges Einlegen in 1 % Jodjodkalilösung oder 5 % Jodtinktur oder 3 % Jodazetonlösung (BLOCH und CLAUDIUS).


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