Lungentuberkulose, Lungenschwindsucht

Lungentuberkulose, Lungenschwindsucht, Tuberculosis, Phthisis pulmonum, vgl. Art. Tuberkulose, entsteht durch Ansiedlung von Tuberkelbazillen in den Lungen. Sie werden meist eingeatmet, Inhalationstuberkulose, siehe Tröpfcheninfektion durch Husten Tuberkulosekranker, oft aber auch mit der Nahrung aufgenommen, dringen dann durch die Mandeln in die Halslymphdrüsen oder durch die Darmschleimhaut in die Gekrösedrüsen und werden dann durch das Blut in die Lunge verschleppt. BEHRING hält den zweiten Weg, die Fütterungstuberkulose, für die häufigste Art und führt die Infektion meist auf die ersten Lebensjahre zurück, auch wenn die Lungentuberkulose erst viel später ausbricht, s. RANKE-Stadien im Art. Tuberkulose. Hauptquelle der Infektion ist der Auswurf tuberkulöser Menschen; die Milch tuberkulöser Kühe scheint besonders für die Darmtuberkulose jüngerer Kinder eine Rolle zu spielen. Jährlich sterben in Preußen über 50000 Menschen an Lungentuberkulose. Bei Sektionen zeigen über zwei Drittel derErwachsenen, in den ärmeren Schichten bis 97 von H., daß einmal tuberkulöse Infektion bei ihnen stattgefunden hatte. Die Lungentuberkulose hat meist einen exsudativ-produktiv (prod. = Tuberkeln) gemischten Charakter (siehe Art. Tuberkulose).

Die Tuberkeln = Knötchen, als erste Neubildung infolge des Eindringens der Tuberkolosebazillen, also eigentliche Infektionsgeschwülste, sitzen teils in der Wand der kleinen Bronchien, teils in den Lymphspalten um diese und um die feinsten Arterien; sie zerfallen käsig, und dabei entstehen kleine Hohlräume oder schwielige Schrumpfungen; von da aus können immer wieder andere Teile infiziert und durch Entzündungen mit Ausgang in Verkäsung ( = bes. Art der Nekrose) und Zerfall zerstört werden, so daß sich größere Höhlen = Kavernen bilden. Regelmäßig ist das Rippenfell beteiligt: Schwielenbildung oder wäßrige, eitrige, blutige Ergüsse. Die Lungentuberkulose verläuft schleichend; erste Zeichen: Mattigkeit, Blässe, abendliches Fieber, Nachtschweiße; allmählich kommen Husten, Auswurf, kleinere oder größere Blutungen, Abmagerung, Durchfälle, höheres Fieber usw. hinzu. Stadien der Lungentuberkulose vgl. TURBAN, RANKE. Oft beginnt die Lungentuberkulose mit schweren Allgemeinerscheinungen und hohem Fieber; sie kann dann in einigen Monaten zum Tode führen: galoppierende Lungentuberkulose, Phthisis florida, oder in die schleichende Form übergehen. Für die Erkennung sind Perkussion und Auskultation, Untersuchung der Körperwärme und des Auswurfs (vgl. Tuberkelbazillen) und Röntgenuntersuchung, sowie Tuberkulinproben s. d. besonders wichtig. Bei Kindern bis zum 12. Jahr spielt die Bronchialdrüsentuberkulose die Rolle wie bei Erwachsenen die Lungentuberkulose. Ein nicht kleiner Teil der Fälle wird geheilt, sehr viele werden durch richtige Behandlung, zumal in Heilstätten oder Lungensanatorien, zu sehr mildem und langsamem Verlauf gebracht. Kampf gegen Infektion mit Auswurf und gegen die Rindertuberkulose ist von größter Schutzwirkung. Zu Heilzwecken wird außer Tuberkulin (s. d.) und der Partialantigenen (s. an gleich. Stelle) Krysolgari (gr. chrysos Gold), einem, in Dosen von 0,025—0,2 in 10% Lös. intravenös zu injizierende Goldpräparate empfohlen. Die Meinung, über den Erfolg sind sehr geteilt, steigend bis 0,1—0,2 bei 8 bis 14 täglichen Pausen. Hierzu Strahlenbehandlung.


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