Konstitution

Konstitution lat. constitutio Verfassung, die Gesamtbeschaffenheit des Körpers, das Maß der Widerstandskraft des Körpers und des Geistes gegen krankmachende Einflüsse (vgl. Krankheitsursachen), die Gesamtheit der morphologischen, funktionellen und evolutiven Eigenschaften, soweit sie vererbt oder vererbbar, d. h. in der genotypischen Struktur verankert sind. Die Konstitution beruht nach der veralteten Auffassung der Humoralpathologie auf der besonderen Mischung der Körpersäfte; ungünstige Mischungen wurden als Dyskrasie oder Diathese bezeichnet, das äußere (oft trügerische) Bild als Habitus. Die fortschreitende Erkenntnis hat gelehrt, daß Konstitutionsanomalien wohl immer auf angeborener minderwertiger Anlage bestimmter Organe beruhen; so gibt es von Haus aus schwache, gegen die Einflüsse des Lebens nicht genügend widerstandsfähige Mägen, Nieren, Lungen, Gehirne, vgl. Achylie, physiologische Albuminurie, Lungentuberkulose, Psychosen. Als Konstitutionskrankheiten bezeichnet man noch jetzt Zuckerkrankheit, Gicht und Fettsucht, doch sind auch daran Störungen von Organverrichtungen, nämlich gewisser Blutdrüsen, schuld (vgl. bei den genannten Krankheiten). Als Hypoplastische Konstitution, Status hypoplasticus BARTEL faßt man die angeborene Unterentwicklung und Leistungschwäche verschiedener Körperteile zusammen, des Herzens, der Aorta, der Nebennieren, der Geschlechtsorgane, gewöhnlich mit Vergrößerung der Thymus und mit Hyperplasie des lymphatischen Apparates verbunden, in letzterem Fall als lymphatische Konstitution, s. d., Status lymphaticus oder thymicolymphaticus bezeichnet, wozu wohl auch die exsudative Diathese gehört. Vielleicht ist die mangelhafte Entwicklung des chromaffinen Systems, s. d., das den Blutdruck und den Gefäßtonus steigert, Ursache dieser Konstitution und der dabei vorkommenden plötzlichen Todesfälle nach der Geburt, durch Operationsschock, bei (sachgemäßer) Chloroformnarkose: Thymustod WIESEL. Das Thymushormon wirkt dem von der Nebenniere, einem Teil des chromaffinen Systems, gelieferten Adrenalin entgegen. Asthenische Konstitution, Habitus asthenicus, Asthenie STILLER, wohl zum Teil mit den vorigen Formen zusammenfallend, ererbte Konstitution mit den Hauptzügen: Entero- oder Splanchnoptose, nervöse Dyspepsie, eigentümliche Neurasthenie mit besonderer Beteiligung des Sympathikus (Reizbarkeit des Getäßnervensystems), Unterernährung und Blutarmut, Costa fluctuans. — KRETSCHMER unterscheidet unter die ganzen Menschen nach Soma und Psyche 3 Typen, die an sich nichts Krankhaftes bezeichnen, sondern nur bestimmte, normalbiologische Anlagen, von denen nur ein kleiner Bruchteil eine pathologische Gipfelung, sei es in bestimmten inneren Krankheiten, sei es auf psychiatrischen Gebiet erreicht, und zwar: a) Asthenischer Typ, b) Athletischer Typ, c) Pyknischischer Typ. (gr. pyknos fest), starker Umfang der Körperhöhlen bei mehr graziler Ausbildung der Bewegungsapparate (Schulter, Becken und Extremitäten) Neigung zu Fettleibigkeit. Neben diesen Hauptgruppen sind dann die kleineren Gruppen als dysplastische Spezialtypen zu bezeichnen, sofern sie durchweg starke Abweichung vom Durchschnitt zeigen und sofern ihre morphologische Beziehung zu den dysglandulären Syndromen der Blutdrüsenpathologisch z. T. sehr enge sind.


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