Tonart (Musik)


Tonart. (Musik) Wir nehmen dieses Wort hier in der genau bestimmten Bedeutung, nach welcher es das ausdrückt, was die ältern Tonlehrer durch das lateinische Wort Modus auszudrücken pflegten; nämlich die Beschaffenheit der Tonleiter, nach welcher sie entweder durch die kleine oder große Terz, aufsteiget. Jene wird die kleine oder weiche, diese die große oder harte Tonart genannt, welches man auch durch die Worte Moll und Dur ausdrückt. Diese beiden Ausdrücke haben aber einige Zweideutigkeit. Denn bei ältern Schriftstellern bedeuten sie nicht wie jetzt, die beiden Modos, sondern wurden bloß gebraucht, um anzuzeigen, ob in einem Gesange von der Doppelsayte B, die Höhere, die wir jetzt mit H bezeichnen oder die tiefere, die wir durch B andeuten, zu nehmen sei. Im ersten Falle hieß der Gesang Cantus durus, im anderen Cantus mollis.

Es gibt also nur zwei Tonarten, die harte und die weiche, die man auch die große und die kleine nennt; und nach der gegenwärtigen Einrichtung hat jeder der zwölf in dem System einer Oktave befindlichen Töne seine harte und seine weiche Tonleiter. Aber sowohl die Harten als die Weichen sind nicht für alle Töne gleich, weil weder die Terzen noch die Sexten in jedem Tone gleiche Verhältnisse haben.1) Was für ein Unterschied aber auch sich zwischen den verschiedenen harten oder weichen Tonleitern der verschiedenen Töne findet, so ist dieses eine allgemeine Erfahrung, dass alle harten Tonleitern sich zu fröhlichen und überhaupt zu lebhaften, die weichen aber zu zärtlichen Melodien vorzüglich schicken. Deswegen bei jedem zu verfertigenden Stück die Wahl der Tonart zuerst in Überlegung kommt, die nach Beschaffenheit des Ausdrucks, der in dem Stück herrschen soll, zu wählen ist.

 

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1) Man sehe den Artikel Tonleiter.

 


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Seite zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 
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