Teilung

 Teilung. (Musik) Unter diesem Worte begreifen wir das, was die Tonsetzer allgemein durch das lateinische Wort Diminutio anzeigen. Es wird nämlich bei dem Unterricht im Kontrapunkt, nachdem gezeigt worden, wie zu einem Choralgesange von einer Stimme, noch andre Stimmen von gleichen Noten sollen gesetzt werden, danach auch gelehrt, wie solche Stimmen dazu zu setzen seien, da auf eine Note des vorgeschriebenen Chorals, in den andren Stimmen mehrere Noten von geringerer Geltung kommen. Diese Noten sind dann Diminutiones genannt worden, weil ihre Geltung musste vermindert werden; da man gegen eine halbe Taktnote zwei Viertel oder vier Achtel setzte. Eben so kommen auch in dem doppelten Kontrapunkt Nachahmungen und Kanons von Noten kleinerer Geltung vor, die man deswegen Imitationes per Diminutionem genannt hat.

 Wir betrachten die Sache hier überhaupt als die Teilung eines Tones in mehrere und insofern auf eine Silbe des Textes oder auf ein Glied des Taktes, anstatt einer Note, mehrere gesetzt werden. Der zierliche, melismatische Gesang, unterscheidet sich von dem schlechten oder ganz einfachen Choralgesange, hauptsächlich dadurch, dass in jenem oft statt eines einzigen Tones, der nach Maßgabe des Taktes eine halbe, Viertel- oder Achtelnote sein sollte, mehrere, die aber zusammengenommen, nur die Geltung des einen haben, gesungen werden.

 Wenn man es auch zur Regel machen wollte, dass in dem Satze auf jede Silbe oder in Instrumentalsachen auf jeden Taktteil, nur ein Ton gesetzt werden soll; so würden doch gefühlvolle Sänger und Spieler sich gewiss nicht daran binden, sondern gar oft den Ton einer Silbe des kräftigern Ausdrucks halber in mehrere teilen. Ohne Zweifel hat also die Teilung in dem affektvollen Gesang ihren Grund. In der Tat würde man dem Gesang und auch den Instrumentalmelodien, die feinsten Schönheiten benehmen, wenn man keine geteilten Töne zugeben und in den 3/4 Takt bloß Viertel, in dem 3/8 oder 6/8 Takt lauter Achtel haben wollte. Man würde dieser Einförmigkeit bald müde werden.

 Es sind aber bei dieser Teilung der Töne einige sehr wesentliche Regeln genau zu beobachten, wenn der Satz nicht soll verworren werden. Man kann nicht in jeder Taktart, jede Teilung anbringen, sondern nur solche, bei denen der Gang des Taktes nicht verdunkelt werde. So leidet z.B. der gemeine Allabrevetakt nicht wohl eine Teilung in Achtelnoten. Was aber hiervon zu erinnern wäre, ist bereits im Artikel Takt, bei jeder Taktart angezeigt worden. Damit der Gang des Taktes bei vielstimmigen Stücken durch die Teilungen nicht verdunkelt werde, müssen sie nie in allen Stimmen zugleich angebracht werden; es muss allemal eine Stimme durch die der Taktart eigene Taktglieder fortschreiten.

 Auch ist bei der Teilung in nachgeahmten Sätzen genau darauf zu sehen, dass dadurch der Nachdruck, den eine Silbe oder ein Taktteil haben muss, nicht verändert werde und dass nicht das, was in dem Hauptsatz im Niederschlag gewesen, bei der Nachahmung im Aufschlag komme oder umgekehrt.

 Dieser Teilung einer Note in mehrere ist die Verlängerung einer Note (Augmentatio) entgegen gesetzt, da statt zwei, drei oder vier Töne, die auf einem Takt stehen sollten, nur ein einziger angebracht wird, um ihm desto größeres Gewicht zu geben.

 


 © textlog.de 2004 • 13.12.2019 21:27:57 •
Seite zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z