a) Leben und Schriften


354 zu Thagaste in Numidien als Sohn eines heidnischen Vaters und einer christlichen Mutter, der frommen Monika, geboren, später Lehrer der Rhetorik in Karthago, Rom und Mailand, hat Augustin, ehe er im Christentum endgültige Befriedigung fand, eine lebhafte, durch den Kampf mit seinem leidenschaftlichen, sinnlich- feurigen Temperament doppelt bewegte, innere Entwicklung durchgemacht, auch in philosophischer Beziehung die verschiedensten Standpunkte nacheinander eingenommen. Als Jüngling durch die Lektüre von Ciceros Hortensius zum Studium der Philosophie angeregt, huldigte er zuerst fast zehn Jahre lang der manichäischen Lehre (vgl. § 52), wandte sich darauf dem Skeptizismus der neueren Akademie zu und ließ sich sodann, auch von diesem unbefriedigt, vom Neuplatonismus beeinflussen, bis er endlich durch Ambrosius in Mailand dem Christentum dauernd gewonnen ward. 387 getauft, wurde er 391 Priester, 395 Bischof von Hippo in Nordafrika, wo er im Jahre 430 starb, während die Vandalen die Stadt belagerten.

Augustins kirchliche und religiöse Wirksamkeit ist eine ungeheure gewesen und noch jetzt zu spüren. Aber nur seine philosophische Seite kommt für uns in Betracht. Von seinen zahlreichen Schriften, die in Mignes Sammlung der Kirchenväter (Patrologiae cursus completus) nicht weniger als 16 Bände füllen, gehören, abgesehen von den seine persönliche Entwicklung aufs offenste schildernden, psychologisch feinen, freilich auch stark rhetorischen »Selbstbekenntnissen«, den heute nahezu in alle europäischen Sprachen übersetzten Confessiones, hauptsächlich hierher: 1. die philosophischen Schriften der Jahre 386 bis 388: Contra Academicos, De beata vita. De ordine (d.h. Stellung des Guten und Bösen in der göttlichen Weltordnung), Soliloquia, De quantitate animae und De libero arbitrio, 2. Aus der Zeit nach 400: Neben der theologischen Abhandlung De trinitate vor allem das Hauptwerk, die 22 Bücher De civitate Dei (413-426 verfaßt), endlich die gegen Ende seines Lebens von ihm niedergeschriebenen Retractationes, d.h. eine Übersicht seiner Schriften und zugleich Revision derselben im kirchlichen Sinne.


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