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Teleologie


Kants Teleologie. Wir lassen die Betrachtung der »teleologischen« Urteilskraft jener der »ästhetischen« vorangehen, befassen uns also zuerst mit der »materialen« Zweckmäßigkeit. Die »transzendentale« Zweckmäßigkeit ist uns schon bekannt, sie besteht in der Zusammenstimmung der Mannigfaltigkeit empirischer Naturgesetze zur Einheit vermittelst der Urteilskraft, welche bemüht ist, bei aller » Spezifikation« überall die Übergänge, die Verwandtschaft, die höhere Gattung, das Gemeinsame, Einheitliche zu finden, kurz eine einheitliche stetige Ordnung der Natur selbst methodisch herzustellen; soweit sich die Natur diesem Willen zur Einheit und Ordnung fügt, besteht eben die transzendentale, »idealische« Zweckmäßigkeit, ist die Natur unserem Erkenntnisvermögen »angemessen«. Diese Angemessenheit, die auch im Ästhetischen besteht, begründet hier die subjektiv- formale, im Intellektuellen die objektiv-formale Zweckmäßigkeit, von der endlich die objektiv-reale (materiale) Zweckmäßigkeit zu unterscheiden ist welche die Dinge selbst betrifft. »Objektiv« heißt aber hier nicht transzendent, sondern nur allgemeingültig für alle Deutung der Erscheinungen.

Der Zweck ist ein Begriff der Urteilskraft, keine Kategorie des Verstandes, denn er ist nicht im Objekte, sondern lediglich im Subjekte, in dessen Vermögen zu reflektieren, zu suchen. Den Zweck legen wir in die Dinge hinein, er ist kein konstitutiver Bestandteil der Erkenntnis des Gegenstandes. Es ist aber wohl zwischen äußerer Zweckmäßigkeit, »Zuträglichkeit« oder »Nutzbarkeit« für andere (z.B. der Dinge für den Menschen) und »innerer Zweckmäßigkeit« zu unterscheiden. Die äußere, relative Zweckmäßigkeit (d.h. daß etwas um des Vorteils eines ändern willen da ist) ist nicht das, was wir der Natur zumuten dürfen. Es, handelt sich vielmehr um die Zweckmäßigkeit der Dinge selbst, wobei Zweck deren »Begriff von einem Objekt, sofern er zugleich den Grund der Wirklichkeit dieses Objekts enthält«, also das ideale Prius des Dinge?, das sich in ihm verwirklicht hat, bedeutet. Bei einem Dinge als »Naturzweck« ist die Beziehung der Teile und des Ganzen das Wesentliche, wonach die Teile ihrer Existenz und Form nach durch das Ganze bedingt sind und dieses wiederum durch die Wechselwirkung der Teile.

Naturzwecke sind nur die Organismen, bei denen dieses Verhältnis statt hat; in ihnen ist ein Teil durch den anderen und zugleich um des anderen (und des Ganzen) willen da. Die Natur organisiert sich hier selbst durch eine »bildende Kraft« (die aber nicht als Seele u. dgl. gedacht werden darf). Ein organisiertes Naturprodukt ist also »das, in welchem alles Zweck und wechselseitig auch Mittel ist«. »Nichte ist in ihm umsonst, zwecklos, oder einem blinden Naturmechanismus zuzuschreiben.« Rein mechanisch, d.h. ohne teleologische Beurteilung, läßt sich das Organische nicht verstehen, der »Newton des Grashalmes«, der das Wachstum des Grases bloß mechanisch zu erklären vermag, ist noch nicht da. Aber die teleologische Interpretation schließt die mechanisch-kausale Erklärung nirgend aus, wenn auch diese allein im Organischen nicht ausreicht und die heuristische Funktion der Zweckidee unentbehrlich ist. Mechanismus und Teleologie schließen einander nicht aus, die Antinomie zwischen beiden besteht nicht zu Recht, ist lösbar. Das Prinzip des Mechanismus besagt nur, wir sollen soweit als wir nur können, nach dem Mechanischen forschen, sonst gibt es keine eigentliche Naturerkenntnis. Dieses hindert nicht, bei einigen Naturformen (Organismen) und schließlich bei der ganzen Natur die Zweckbetrachtung heranbringen, wobei wir aber nicht den bloß regulativen Charakter des Zweckbegriffs vergessen dürfen, vermittelst dessen wir die Natur nach Analogie mit unserer Zwecktätigkeit deuten, ohne sie dadurch allein zu erklären. Jedenfalls ist der Zweck »ein Prinzip mehr, die Erscheinungen... unter Regeln zu bringen, wo die Gesetze der Kausalität nach dem bloßen Mechanismus derselben nicht zulangen«. Denn wir führen einen teleologischen Grund an, wo wir einem Begriff vom Objekt, als ob er in der Natur (nicht in uns) gelegen wäre, Kausalität zuschreiben, ohne aber absichtlich-wirkende Ursachen, die wir nur Vernunftwesen zuschreiben, in die Natur als solche hineinzulegen. Und wenn wir die Zweckmäßigkeit der Natur auf einen »obersten Verstand« zurückführen, so ist das zwar eine berechtigte Maxime, aber keine objektive Erkenntnis. Was den Unterschied zwischen Mechanismus und Teleologie betrifft, so ist es möglich, daß »in dem uns unbekannten inneren Grunde der Natur selbst die physisch-mechanische und die Zweckverbindung an denselben Dingen in einem Prinzip zusammenhängen mögen«.


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Seite zuletzt aktualisiert: 27.10.2006