Abuse Trap
  Home  Impressum  Copyright

Freiheit, Gott, Unsterblichkeit


Die praktische Vernunft hat den »Primat«, den Vorrang vor der theoretischen, indem sie die nicht erkennbaren Gegenstände der letzteren, wie Freiheit, Unsterblichkeit, Gott als Objekte des Glaubens rechtfertigen kann. Diese Objekte sind Postulate der praktischen Vernunft: sie sind nichtbeweisbare Annahmen, die um des Praktischen. Sittlichen willen notwendig sind. »Wenn es nun Pflicht ist, zu einem gewissen Zweck (dem höchsten Gut) hinzuwirken, so muß ich auch berechtigt sein, anzunehmen: daß die Bedingungen da sind, unter denen allein diese Leistung der Pflicht möglich ist, obzwar dieselben übersinnlich sind und wir (in theoretischer Rücksicht) kein Erkennen derselben zu erlangen vermögend sind.« Das Postulat ist ein »Vernunftglaube«, der ebenso sicher ist wie das Wissen, weil er mit dem Sittlichen fest verwebt ist.

Ein solches Postulat, ist zunächst die Willensfreiheit. Abgesehen von der psychologischen Freiheit, welche nach Kant nur ein innerer Determinismus, ein Bedingtsein des Handelns durch Triebfedern, nur die »Freiheit eines Bratenwenders« ist, muß es eine absolute Freiheit als Autonomie des Willens geben, soll dieser sittlich sein können (Das Kantsche: »Ich kann, denn ich soll« wird hier gerechtfertigt). Die sittliche Freiheit ist die Unabhängigkeit von allem Naturgesetzlichen, auch von der psychologischen Gesetzlichkeit, die Fähigkeit des Vernunftwillens, rein sich aus sich selbst zu bestimmen, sich selbst das Gesetz zu geben, also »einen Zustand von selbst anzufangen«. Eine solche Freiheit ist kein Gegenstand sinnlicher Erfahrung, muß aber ethisch gefordert werden. Wie ist sie möglich, wenn die Kausalität alles Naturgeschehen bedingt? Durch die Unterscheidung zweier Arten von Kausalitäten, einer phänomenalen und einer intelligiblen (»causa noumenon«). Die Wirkung kann nach Kant »in Anschauung ihrer intelligiblen Ursache als frei«, in Ansehung der Erscheinungen als Erfolg aus denselben als notwendig angesehen werden. Das Handeln ist als Erscheinung determiniert, naturgesetzlich bestimmt, Wirkung und Ursache von anderen Handlungen und Vorgängen; zugleich aber liegen ihr freie Ursachen, autonome Willensentscheidungen zugrunde. »Alle Handlungen vernünftiger Wesen, sofern sie Erscheinungen sind, stehen unter der Naturnotwendigkeit; eben dieselben Handlungen aber, bloß respektive auf das vernünftige Subjekt und dessen Vermögen, nach bloßer Vernunft zu handeln, sind frei.« Ein jedes Wesen, das nicht anders als unter der Idee der Freiheit handeln kann, ist praktisch wirklich frei. Der »empirische Charakter« des Menschen ist vom »intelligiblen Charakter« desselben zu unterscheiden. In der Erscheinung sind alle Handlungen durch die Natur und durch den empirischen Charakter so determiniert, daß sie im Prinzip voraussagbar sein — können. Insofern aber das Wollen ein Ausfluß des intelligiblen Charakters (des dem Menschen zugrunde liegenden Intelligiblen, Noumenalen) ist, ist es frei (vgl. Schelling, Schopenhauer).

Die Unsterblichkeit, die keinen Gegenstand theoretischer Erkenntnis bildet, ist ebenfalls ein praktisches Postulat. Der Mensch kann in dieser Welt der Glückseligkeit, deren er sich würdig gemacht, nicht völlig teilhaftig werden, es muß daher eine Welt, einen Zustand geben, wo das »Wohlbefinden des Geschöpfs dem Wohlverhalten desselben adäquat sein wird«. Die völlige Angemessenheit des Willens zum moralischen Gesetze (»die Heiligkeit«) ist nur »in einem ins Unendliche gehenden Progressus« zu erreichen und dieser Fortschritt ist, nur möglich »unter Voraussetzung einer ins Unendliche fortdauernden Existenz und Persönlichkeit«. — Endlich ist das Dasein Gottes ein solches Postulat (Ethiko-theologisches Argument, »Moral-Beweis«). Indem das moralische Gesetz uns einen Endzweck, das höchste Gut, bestimmt und dieses die Glückseligkeit als Mitbedingung fordert, müssen wir einen moralischen Weltgrund, der das rechte Verhältnis zwischen Sittlichkeit und Glückseligkeit herstellt, postulieren. Dieser Weltgrund muß als höchste Intelligenz und höchster Wille gedacht werden, als ewig, allmächtig, allwissend usw., kurz als höchste Persönlichkeit (Ethischer Theismus).


 © textlog.de 2004 • 23.10.2017 22:56:30 •
Seite zuletzt aktualisiert: 27.10.2006