XX. Das Urteil des Paris


Jupiter, Merkur, Juno, Pallas, Venus, Paris, auch Alexander genannt.

 

JUPITER. Merkur, nimm diesen Apfel da und begib dich damit nach Phrygien zu dem Sohne des Priamus, der die Kühe auf dem Ida weidet, und sage ihm von meinetwegen, weil er selbst schön sei und sich auf Liebessachen besonders gut verstehe, so befehle ich ihm, den Ausspruch zu tun, welche unter diesen Göttinnen die schönste sei; und die Siegerin in diesem Streite soll den Apfel aus seiner Hand empfangen! – Zu den drei Göttinnen. Es ist nun Zeit, daß ihr euch zu euerm Richter verfüget; ich für meine Person mag mit der Entscheidung nichts zu tun haben, da ihr mir gleich lieb seid und ich euch, wenn es nur anginge, recht gern alle drei siegen sähe. Aber auch außerdem ist es eine Unmöglichkeit, einer den Preis der Schönheit zu geben, ohne sich bei den übrigen äußerst verhaßt zu machen. Aus allen diesen Ursachen tauge ich ganz und gar nicht dazu, euer Richter zu sein. Dieser phrygische Jüngling hingegen, zu welchem ihr gehen werdet, ist von königlichem Blute und ein Verwandter des Ganymedes hier, übrigens ein ungekünstelter Sohn der Natur und den niemand eines solchen Schauspiels unwürdig halten kann.

VENUS. Ich, für meinen Teil, würde mich dem Augenschein getrost unterwerfen, wenn du uns auch den tadelsüchtigen Momus selbst zum Richter setztest. Denn was wollte er an mir zu tadeln finden? Aber diese beiden müssen sich den Menschen auch gefallen lassen.

JUNO. Auch wir fürchten uns nicht, Aphrodite, wenn gleich dein Mars selbst den Ausspruch tun müßte; wer also dieser Paris auch sein mag, wir haben nichts gegen ihn einzuwenden.

JUPITER zu Minerven. Ist dies deine Meinung auch, meine Tochter? was sagst du? du wendest dich und wirst rot? Das ist so was Eigenes bei euch Jungfrauen, über dergleichen Dinge rot zu werden; aber du gibst doch dein Ja durch einen Wink zu verstehen. Geht also; aber daß ihr mir ja nicht über euern Richter ungehalten werdet oder dem armen Jungen was zuleide tut! Denn am Ende ist es doch nicht wohl möglich, daß alle gleich schön sein könnten.

MERKUR. Wir gehen also nun geraden Weges nach Phrygien; ich zeige euch den Weg, und ihr folget mir ganz gemächlich. Habt nur guten Mut! Ich kenne den Paris, es ist ein schöner junger Bursche und eine verliebte Seele obendrein; er schickt sich unvergleichlich zum Richter in solchen Sachen. Er wird ganz gewiß keinen falschen Ausspruch tun.

VENUS. Desto besser für mich, wenn unser Richter so gerecht ist als du sagst. – Ist er noch unverheuratet, oder hat er schon eine Frau?

MERKUR. So ganz unverheuratet ist er wohl nicht, Aphrodite.

VENUS. Was willst du damit sagen?

MERKUR. Soviel ich weiß, hat er eine idäische Dirne bei sich, ein tüchtiges Mädel, wiewohl etwas plump, und – wie sie auf solchen Bergen zu wachsen pflegen. Er scheint eben nicht sehr stark an ihr zu hangen. Aber weswegen tust du diese Frage an mich?

VENUS. Ich fragte nur so, um was zu reden.

PALLAS zu Merkur. Das ist wohl nicht in deiner Instruktion, du da, daß du dich mit ihr in ein besonderes Gespräch einlassen sollst?

MERKUR. Es hat gar nichts zu bedeuten, Minerva, und ist nichts gegen euch; sie fragte mich bloß, ob Paris noch ledig sei.

PALLAS. Was geht denn das sie an?

MERKUR. Das weiß ich nicht. Sie sagt, sie habe ohne alle Absicht gefragt, bloß weil es ihr so in den Sinn gekommen sei.

PALLAS. Und ist er denn ledig?

MERKUR. Ich glaube nicht.

PALLAS. Aber hat er kriegerische Neigungen? Ist er ruhmbegierig oder nichts als ein gewöhnlicher Kühhirt?

MERKUR. So genau kann ich das nicht sagen: aber da er noch jung ist, so läßt sich vermuten, daß er nicht ohne solche Leidenschaften sein wird und daß es ihn wohl nicht verdrießen sollte, ein großer Kriegsheld zu sein.

VENUS zu Merkur. Du siehst, ich beschreie dich nicht darüber, daß du mit ihr besonders sprichst: so was überläßt Aphrodite gewissen Personen, die immer einen Vorwand finden, ihre üble Laune auszulassen.

MERKUR. Sie fragte mich beinahe das nämliche. Du hast also keine Ursache, es übelzunehmen oder zu denken, daß etwas zu deinem Nachteil vorgefallen sei; ich habe ihr ebenso unschuldig geantwortet als dir. Aber während wir so schwatzen, haben wir schon ein tüchtiges Stück Weges vorwärts gemacht und die Sterne weit hinter uns zurückgelassen. Was hier vor uns liegt, ist Phrygien; denn ich erkenne bereits den Ida und den ganzen Gargarus, und wo mir recht ist, sehe ich auch unsern Richter Paris in eigener Person.

JUNO. Wo dann? Ich seh ihn noch nicht.

MERKUR. Schaue dorthin, Juno, linker Hand; nicht auf die Spitze des Berges, auf die Seite, wo du die Höhle und die Herde siehest.

JUNO. Ich sehe aber keine Herde.

MERKUR. Wie? Du siehst die kleinen Kühe nicht, nur so groß er mißt ihre scheinbare Kleinheit an seinem Finger, die dort mitten aus den Felsen hervorkommen; und einen, mit einem krummen Stecken in der Hand; der von der Anhöhe herabläuft und sie zurücktreibt, damit sich die Herde nicht zu sehr zerstreue?

JUNO. Nun seh ich ihn, wenn es der ist.

MERKUR. Er ist's. Weil wir also der Erde so nahe sind, wollen wir uns, wenn es euch gefällig ist, vollends herunterlassen und zu Fuße gehen, damit wir ihn nicht erschrecken, wenn wir so auf einmal aus der Höhe vor ihm herabfielen.

JUNO. Du hast recht, machen wir's so! – Nun da wir auf festem Boden sind, wirst du, Aphrodite, uns wohl am besten den Weg zeigen können; denn du mußt in dieser Gegend überall Bescheid wissen, da du, wie es heißt, öfters hier beim Anchises zum Besuche gewesen bist.

VENUS. Du betrügst dich, Juno, wenn du dir einbildest, daß mich dergleichen Spottreden mächtig verdrießen werden.

MERKUR. Folget nur mir: ich bin in den Zeiten, da Jupiter seine Neigung auf Ganymeden warf, mit dem Ida sehr bekannt worden; ich mußte oft genug herabsteigen, um nach dem Knaben zu sehen; und als er sich in den Adler verwandelte, flog ich neben ihm her und half ihm seinen Liebling tragen. Wenn ich mich recht erinnere, entführte er ihn von diesem nämlichen Felsen, wo er eben unter seinen Schafen saß und auf der Rohrpfeife blies. Auf einmal flog Jupiter auf ihn zu, schlug so sanft als möglich die Klauen um ihn herum, biß mit dem Schnabel in seinen Turban und hob den Knaben in die Höhe, der mit schreckenvollem Erstaunen, den Nacken zurückgebogen, zu seinem Räuber emporsah; indessen ich die Rohrpfeife aufhob, die er vor Schrecken hatte fallen lassen. – Aber nun sind wir unserm Schiedsmanne so nahe, daß wir ihn anreden wollen – Guten Tag, Kühhirt!

PARIS. Dir auch soviel, junger Mann! Was bringt dich zu uns hieher? Und was für Frauensleute hast du da bei dir? Sie sehen mir nicht so aus, als ob sie in diesem Gebürge zu Hause wären; dazu sind sie zu hübsch!

MERKUR. Es sind freilich keine gemeine Frauensleute, mein guter Paris. Du siehest hier die Juno, die Pallas und die Venus vor dir und in mir den Merkur, vom Jupiter abgeschickt. Was zitterst du so und erblassest? Fürchte dich nicht, es soll dir kein Leid widerfahren! Er befiehlt dir nur, über ihre Schönheit den Ausspruch zu tun. Denn da du selbst so schön seist, sagt er, und für einen Kenner in Liebessachen passierest, so überlasse er dir den Ausspruch. Was der Preis dieses Kampfes ist, wirst du auf diesem Apfel lesen.

PARIS. Nur her, laß doch sehen, was er sagt er lieset. Die Schönste soll ihn haben! – Aber, gnädiger Herr Merkurius, wie sollte ein bloßer Sterblicher und ein Bauer obendrein, wie ich, Richter in einer solchen Sache sein können? Das geht über den Verstand eines Kühhirten: solche Dinge gehören für die hübschen Herren aus der Stadt. Ja, wenn die Frage von drei Ziegen oder jungen Kühen wäre, da wollte ich nach der Kunst entscheiden, welche die schönste sei! Aber mit diesen Frauen hier ist es ganz ein anders; die sind alle gleich schön, und ich weiß nicht, wie's einer machen soll, um die Augen von der einen auf die andere zu kehren. Man muß sie recht mit Gewalt abreißen, sie wollen nicht fort, was sie zuerst ansehen, daran bleiben sie kleben, und das deucht ihnen das schönste: wenden sie sich auf eine andere, so geht es ebenso; das nächste ist da so gut, daß man daran genug hat und nichts Besseres verlangt. Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber mir ist, ich sei von ihrer Schönheit über und über umflossen und umfangen, und es schmerzt mich ordentlich, daß ich nicht wie Argus lauter Auge bin und sie nicht aus meinem ganzen Leibe anschauen kann. Ich glaube also, ich werde mein Richteramt am besten verwalten, wenn ich den Apfel allen dreien gebe. Zudem muß es sich just treffen, daß die eine Jupiters Schwester und Gemahlin und die beiden andern seine Töchter sind; wie sollte das die Wahl nicht noch schwerer machen?

MERKUR. Ich weiß nicht; aber das weiß ich, daß du dich dem Befehl Jupiters nicht entziehen kannst.

PARIS. So bitt ich nur um das einzige, Merkur, bringe sie dazu, daß die beiden, die dabei zu kurz kommen, nicht böse auf mich werden, sondern glauben, die Schuld liege bloß an meinen Augen.

MERKUR. Das versprechen sie dir; mache also nur, daß du zum Urteil schreitest.

PARIS. Ich will mein Bestes tun, weil es doch nun einmal sein muß. Aber vorher möcht ich doch wissen, ob es wohl genug ist, sie zu sehen, wie sie da sind, oder ob sie sich nicht ausziehen sollten, damit die Untersuchung desto gründlicher ausfallen könnte?

MERKUR. Das kommt bloß auf den Richter an; du hast zu befehlen, wie du es haben willst.

PARIS. Wie ich's haben will? Wenn das ist, so will ich sie nackend sehen.

MERKUR. Die Damen werden sich also gefallen lassen, die Kleider abzulegen: ich will indes anderswohin sehen.

VENUS. Recht schön, Paris! – Ich bin gleich die erste, die sich ohne Bedenken entkleidet, damit du sehest, daß ich nicht bloß »weiße Ellenbogen« habe oder mir auf ein »paar große Augen« viel einbilde, sondern daß ich überall gleich schön bin.

PALLAS. Vor allem andern, o Paris, laß sie ihren Gürtel ablegen, denn sie ist eine Zauberin und könnte dir leicht mit Hülfe desselben ein Blendwerk vor die Augen machen; auch hätte sie sich nicht so mächtig verschönern und so viel Weiß und Rot auflegen sollen, daß sie einer wirklichen Kurtisane gleichsieht, sondern ihre Schönheit ungekünstelt und natürlich lassen sollen wie sie ist.

PARIS. Sie haben recht, was den Gürtel betrifft; also weg damit!

VENUS. Und warum legst denn du, Minerva, nicht auch deine Sturmhaube ab und zeigst dich mit bloßem Kopfe, sondern schüttelst den Federbusch so, als ob du den Richter schrecken wolltest? Fürchtest du etwa, deine wasserblauen Augen möchten ohne das Furchtbare, das sie von deinem Helm entlehnen, keine sonderliche Wirkung tun?

PALLAS den Helm ablegend. Da siehst du mich ohne diesen Helm!

VENUS den Gürtel ablegend. Da siehst du mich ohne den Gürtel.

JUNO. Nun, so zaudern wir nicht länger! Sie entkleiden sich.

PARIS. O wundertätiger Jupiter, welch ein Anblick! welche Schönheit! welche Wollust! Was das eine Jungfrau ist! – Was die für einen Glanz von sich wirft! Welche Majestät! Wie königlich, wie ganz Jupiters würdig! – Und diese da, wie holdselig sie einen ansieht! Wie reizend und anlockend sie lächelt! Nein! das ist mehr, als ich auf einmal ertragen kann! – Ich will nun, wenn es euch gefällig ist, jede besonders in Augenschein nehmen: denn so schwanke ich immer hin und her, und sehe so viel Schönes auf einmal, daß ich keinen Augenblick bei einem Gegenstand verweilen kann und selbst kaum weiß, was ich sehe oder wohin ich sehen soll.

VENUS. Wie dir's beliebt.

PARIS. So entfernt euch, ihr beide, und du, Juno, bleibe hier.

JUNO. Ich bleibe; und wenn du mich nun genau besehen hast, so überlege dann auch, ob dir das Geschenk ansteht, das ich dir für deine Stimme zugedacht habe. Wenn du den Ausspruch tust, daß ich die Schönste sei, sollst du gebietender Herr über ganz Asien werden.

PARIS. Mit Geschenken ist bei mir nichts auszurichten. Du kannst dich wieder entfernen; ich werde tun, was mir gut dünken wird – Komm nun du herbei, Pallas!

PALLAS. Hier bin ich; und wenn du mich für die Schönste erklärst, so sollst du in keinem Streit jemals überwunden werden, sondern immer das Feld behalten; denn ich will einen großen Kriegsmann und siegreichen Helden aus dir machen.

PARIS. Mir ist mit Krieg und Streit ganz und gar nicht gedient, Pallas; in Phrygien und Lydien ist's überall Friede, und meines Vaters Reich hat keinen Krieg zu befürchten. Aber sei dem ungeachtet ohne Sorge; es soll dir nicht zu kurz geschehen, wiewohl ich mich nicht durch Geschenke bestechen lasse. Du kannst dich nun wieder anziehen und deinen Helm aufsetzen; ich habe dich hinlänglich betrachtet. Es ist Zeit, daß Venus sich stelle.

VENUS. Hier siehest du mich so nahe, als du verlangen kannst; beschaue mich Stück vor Stück und übergehe nichts, sondern verweile auf jeder einzelnen Schönheit besonders – Wenn du aber willst, schöner Hirt, so höre, was ich dir sagen will. Du bist jung und schön, wie man schwerlich in ganz Phrygien noch einen finden wird; ich preise dich glücklich deswegen, aber ich kann es nicht gutheißen, daß du diesen Felsen nicht schon lange mit der Stadt vertauschet hast, sondern deine Schönheit lieber in einer Einöde verderben lässest, wo sie dir ganz unnütz ist: Denn was kann es deinen Rindern helfen, daß du schön bist? Billig solltest du schon lange vermählt sein; ich meine nicht mit einer Bauerndirne, wie die Weiber auf dem Ida sind, sondern mit irgendeiner schönen Griechin von Argos oder Korinth oder Sparta, wie Helena zum Exempel, die jung und schön ist und mir in keinem Stücke nachsteht, und was das Beste ist, sehr leicht Feuer fängt. Denn du kannst versichert sein, wenn sie dich nur sieht, so wird sie sich in deine Arme werfen und alles im Stiche lassen, um dir zu folgen und mit dir zu leben. – Doch, es ist nicht möglich, daß du nicht schon etwas von ihr gehört haben solltest.

PARIS. Kein Wort, Aphrodite; aber ich will dir mit Vergnügen zuhören, wenn du mir mehr von ihr sagen willst.

VENUS. Sie ist eine Tochter der schönen Leda, auf welche Jupiter in Gestalt eines Schwans herabflog.

PARIS. Wie sieht sie denn aus?

VENUS. So weiß, wie man erwarten kann, da sie einen Schwan zum Vater hat; zart wie eine Person, die aus einem Ei hervorgekrochen, so wohlgewachsen, stark und gewandt wie eine Person, die in allen gymnastischen Spielen geübt ist; kurz, der Ruf ihrer Schönheit ist so groß und die Mannspersonen sind so erpicht auf sie, daß schon ein Krieg um ihrentwillen entstanden ist, als sie vom Theseus entführt wurde, da sie beinahe noch ein Kind war. Seitdem sie aber in ihrer vollen Blüte steht, haben sich alle Fürsten der Griechen um sie beworben. Nun ist sie zwar dem Pelopiden Menelaus zuerkannt worden: wenn du aber Lust hättest, so wollte ich dir zu dieser Heurat verhelfen.

PARIS. Wie? zur Heurat mit einer Person, die schon vermählt ist?

VENUS. Was für ein Neuling du noch bist, und wie dorfmäßig du noch denkst! Ich muß am besten wissen, wie solche Dinge anzugreifen sind.

PARIS. Wie denn? das möcht ich wohl auch wissen.

VENUS. Du machst eine Reise unter dem Vorwande, Griechenland zu sehen; und wenn du nach Sparta kommst, wird Helena dich zu sehen bekommen; daß sie sich in dich verliebe und dir folge, wird dann mein Werk sein.

PARIS. Aber ebendas kommt mir unglaublich vor, daß sie ihren Gemahl sollte verlassen wollen, um mit einem Fremden und Barbaren zu Schiffe zu gehen.

VENUS. Darüber mache du dir gar keinen Kummer. Ich habe zwei Söhne von sonderbarer Schönheit, den Cupido und den Amor, die ich dir zu Führern auf dieser Reise zugeben will. Amor soll sich ihrer ganz bemeistern und sie zum Lieben zwingen; Himerus hingegen soll sich um dich ergießen und dich so reizend und liebenswürdig machen, als er selbst ist. Auch ich selbst will mit den Grazien bei der Hand sein, und so werden unsrer so viele ja wohl mit ihr fertig werden.

PARIS. Was die Sache für einen Ausgang nehmen wird, Göttin, weiß ich nicht; aber das fühle ich, daß ich Helenen schon liebe; ich weiß nicht, wie es zugeht, aber mir ist, ich sehe sie vor mir und schiffe geraden Weges nach Griechenland und sei zu Sparta angelangt und komme schon mit meiner schönen Beute wieder; und nun ärgert mich's, daß ich das alles nicht schon wirklich tue.

VENUS. Hüte dich, Paris, dich eher in diese Liebe einzulassen, bis du mir, der Stifterin und Brautführerin bei dieser Verbindung, deinen Dank durch einen Ausspruch zu meinem Vorteil gezeigt hast. Um eure Vermählung zustande zu bringen, muß ich erst den Preis in diesem Streit erhalten haben, um zugleich deine Hochzeit und meinen Sieg zu feiern; kurz, es steht bloß bei dir, dein Glück in der Liebe und die schönste Frau in Griechenland mit diesem Apfel zu erkaufen.

PARIS. Ich fürchte nur, wenn ich den Spruch erst getan habe, wirst du dich nicht mehr um mich bekümmern.

VENUS. Willst du, daß ich dir's zuschwören soll?

PARIS. Das nicht, ich will zufrieden sein, wenn du mir's nur noch einmal versprichst.

VENUS. Ich verspreche dir also, daß ich dir Helenen zur Frau geben will und daß sie dir nach Troja folgen soll; ich will selbst dabei sein und alles für dich zustande bringen.

PARIS. Und du versprichst mir auch, den Amor, den Himeros und die Grazien mitzunehmen?

VENUS. Sei ruhig, und den Pothos und Hymenäus noch dazu.

PARIS. Dafür ist nicht mehr als billig, daß ich dir den Apfel gebe: nimm ihn also auf diese Bedingungen!


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