§ 12. Hume


Bis auf diesen ernstlichen Denker hatte noch Niemand gezweifelt an Folgendem. Zuerst und vor allen Dingen im Himmel und auf Erden ist der Satz vom zureichenden Grunde, nämlich als Gesetz der Kausalität. Denn er ist eine veritas aeterna: d.h. er selbst ist an und für sich, erhaben über Götter und Schicksal: alles Übrige hingegen, z.B. der Verstand, der den Satz vom Grunde denkt, nicht weniger die ganze Welt und auch was etwan die Ursache dieser Welt sein mag, wie Atome, Bewegung, ein Schöpfer u.s.w., ist Dies erst in Gemäßheit und vermöge desselben. Hume war der Erste, dem es einfiel, zu fragen, woher denn dieses Gesetz der Kausalität seine Autorität habe, und die Kreditive derselben zu verlangen. Sein Ergebnis, dass die Kausalität nichts weiter, als die empirisch wahrgenommene und uns gewöhnlich gewordene Zeitfolge der Dinge und Zustände sei, ist bekannt: Jeder fühlt sogleich das Falsche desselben, und es zu widerlegen ist auch nicht schwer. Allein das Verdienst lag in der Frage selbst: sie wurde die Anregung und der Anknüpfungspunkt zu Kants tiefsinnigen Untersuchungen und dadurch zu einem ungleich tiefer gefaßten und gründlicheren Idealismus, als der bisherige, der hauptsächlich der Berkeley's cheist, gewesen war, zum transzendentalen Idealismus, aus welchem uns die Überzeugung hervorgeht, dass die Welt so abhängig von uns im Ganzen ist, wie wir es von ihr im Einzelnen sind. Denn indem er die transzendentalen Prinzipien nachwies als solche, vermöge deren wir über die Objekte und ihre Möglichkeit Einiges a priori, d.h. vor aller Erfahrung, bestimmen können, bewies er daraus, dass diese Dinge nicht unabhängig von unserer Erkenntnis so dasein können, wie sie sich uns darstellen. Die Verwandtschaft einer solchen Welt mit dem Traume tritt hervor.


 © textlog.de 2004 • 22.10.2017 04:54:52 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.08.2005 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright