Disput


[E 71] Was? die Sache verstehen, wenn man disputieren will? Ich behaupte, dass zu einem Disput notwendig ist, dass wenigstens einer die Sache nicht versteht, worüber gesprochen wird, und dass in dem sogenannten lebendigen Disput in seiner höchsten Vollkommenheit beide Parteien nichts von der Sache verstehen, ja nicht einmal wissen müssen, was sie selbst sagen. Dieses ist Lullys ganze Kunst. Es ist kein Arkanum, sondern ein Rätsel, er hatte die Welt zum besten, wie mancher Philosoph vor und nach ihm. Wir besitzen sie alle und sie ist offenbar in der Kunst Prose zu reden schon mitbegriffen. Als ich in England war, disputierte [man] auf allen Bierbänken, Kaffeehäusern, Kreuzwegen und Landkutschen über die Amerikaner nach den Regeln des lebendigen Disputs und selbst in dem Rat der Aldermänner, an dessen Spitze Wilkes stand, wurde nach diesen Regeln disputiert, ja als einmal [ein] einfältiger Tropf aufstand und zu bedenken gab, ob es nicht einigermaßen gut wäre, die Sache ernstlich zu prüfen, ehe man einen Entschluß fasse, so antwortete ein anderer Mann ausdrücklich, dass, da dieses zu weit führen würde und mühsam wäre, der Entschluß ohne weitere Untersuchung gefaßt werden müßte. Welches auch damals, weil es fast Essens-Zeit war, genehmigt wurde.

 


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