Summarische Wiederholung

Summarische Wiederholung. (Beredsamkeit) Ist das, was die griechischen Lehrer der Redner a’ .a.e- fa.a..s.. nannten und was auch im Lateinischen Recapitulatio heißt, nämlich; eine beim Beschluß der Rede vorkommende kurze Wiederholung dessen, was in der Abhandlung vollständig ausgeführt worden. Quintilian beschreibt die Sache nach seiner Art, kurz und bündig. »Eine Wiederholung und Zusammenhäufung der abgehandelten Sachen, die das vorhergehende wieder ins Gedächtnis bringt und den Inhalt der Rede im Ganzen darstellt und wodurch das, was einzeln nicht hinlänglich gewirkt hat, jetzt zusammengefasst, seine Wirkung tut.«1 Diese summarische Wiederholung ist ein höchst schweres, aber sehr wichtiges Stück des Beschlusses. Man muss nicht nur das, was weitläufig ausgeführt worden, in seinen wesentlichen Teilen kurz zusammenfassen; sondern den Sachen auch eine neue Wendung und größere Lebhaftigkeit geben, damit es nicht scheine als wenn man das gesagte noch einmal, so wie es schon gesagt worden, wiederholen wolle; welches langweilig und verdrießlich sein würde.

 Bei dieser Wiederholung muss der Redner weder sich in eine neue Erzählung oder Beschreibung, noch in einen neuen Beweis einlassen, sondern voraussetzen, dass der Zuhörer das vorhergehende hinlänglich gefasst habe und nun alles mit einem einzigen Blick und aus einem neuen Gesichtspunkt, wieder übersehen wolle. Darum berührt er bei dieser Wiederholung nur das Wesentlichste, mit großer Kürze, in dem zuversichtlichsten Ton und mit voller Wärme des Ausdrucks. Dieses erfordert gerade den stärksten Redner, denn es ist viel leichter einen Beweis methodisch zu führen oder eine umständliche Erzählung zu machen als das kräftigste davon in wenig Worten zusammen zu fassen. Quintilian führt die Peroration oder den Beschluß der letzten Rede des Cicero gegen den Verres zum Muster einer vollkommenen summarischen Wiederholung an: sie ist in der Tat höchst pathetisch. Jungen Rednern ist eine ganz besondere Übung in diesem Teile der Kunst zu empfehlen. Sie können die Reden des Demosthenes und Cicero dazu nehmen und versuchen, den darin abgehandelten Materien, durch summarischer Wiederholung, neue Kraft zu geben. Sie müssen dabei voraussetzen, dass die Zuhörer durch die Abhandlung hinlänglich überzeugt oder gerührt seien und bedenken, dass es nun darum zu tun sei, dieser Überzeugung oder Rührung den letzten Nachdruck und das wahre Leben zu geben.

Dieses kann nicht anders geschehen als wenn sie selbst in volles Feuer der Empfindung gesetzt sind. Denn im Grund ist dieser Teil der Rede nichts anders als eine sehr schnelle und lebhafte Äußerung dessen, was man jetzt, nachdem der Redner das seinige getan hat, fühlt.

 

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1 Rerum repetitio et congregatio, quæ græce a’ .a.e- fa.a..s.. a quibusdam latinorum enumeratio, et memoriam judicis reficit et totam simul causam ponit ante oculos, et, etiam si per singula minus moverat, turba valet. Inst. L. VI. c. 1.

 


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