Mathematik


[B 141] Der beständige Umgang, den Kunkel mit Büchern von allerlei Art hatte, die Titel, die er las und über welche er sprechen hörte und sich befragte, hatten in seinem Kopf eine Art von allgemeiner Enzyklopädie erzeugt, welche gedruckt zu sehen vielleicht des größten Betrachtungen-Sammlers nicht unwürdig wäre. Weil ich mich öfters mit ihm über mathematische Bücher besprochen habe, so kenne ich ihn von dieser Seite etwas gnauer. Seine Begriffe formierten sich ungefähr so. Er sah Kästners Ruhm und Besoldung, 1. Schluß also durch Mathematik kann man zu Ruhm und Brot kommen. Er sah eine Sprache in den mathematischen Büchern, die sich von allen anderen christlichen und heidnischen Sprachen unterschied, 2. Schluß die Mathematik ist erschrecklich schwer. Einige Bücher gingen ihm beständig ab, andere blieben ihm stehen und beinah ewig stehen, 3. Schluß einige Teile der Mathematik müssen also wohl Brot eintragen, allein sie wird doch nicht so recht getrieben. Er sah die Finsternisse voraussagen, und zwar dass, wie er selbst sagte, die Kalendermacher selten sich um ein paar Vaterunsers lang irrten, 4. Schluß das ist etwas Außerordentliches um die Mathematik. Zusammengenommen sah seine Definition ungefähr so aus: Die Mathematik ist eine Profession, wobei ein ehrlicher Mann alle seine 5 Sinne nötig hat, die Ehre und auch Brot einbringt, aber nicht viel getrieben wird, einige Teile davon müssen fast so brauchbar sein als die Pandekten; sie lehrt künftige Dinge vorhersagen und das auf eine erlaubte Art, die Mathematiker wissen vermutlich wenn unsereiner stirbt, aber sie tun wohl, daß sie es uns vorenthalten, und Gott gebe, daß die Landsobrigkeit es ihnen niemals erlaubt etwas davon auszuplaudern. So viel ich hören und schließen konnte, so war seine Tafel der menschlichen Erkenntnis so geteilt


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[J 7] Bei dem Studium der Mathematik kann wohl nichts stärkeren Trost bei Unverständlichkeiten gewähren, als dass es sehr viel schwerer ist, eines andern Meditata zu verstehen, als selbst zu meditieren.

 


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