Materialisten


[A 53] Das Argument gegen die Materialisten, welches Herr Untzer. Arzt T. VI 148 St. negiert, und welches von der Veränderung unseres Körpers hergeholt ist, hat wirklich einiges Gewicht. Es ist klar, die Teile sind nicht mehr wir, wenn wir einige Jahre älter sind, wie könnten sukzessive Seelen sozusagen sich ihr Bewußtsein mitteilen. Man kann freilich antworten, dass die Veränderung sehr allmählich geschehe, so wie sich in der ersten Welt Dinge durch Tradition fortgepflanzt haben, ohneracht die Welt alle 80 Jahre eine andere war. So wird Lamettrie antworten. Ein anderer Beweis, auf den Herr Fontenelle sehr viel hält, dass nämlich sich die erstaunten Wirkungen eines Gedankens auf den Körper nicht erklären ließen, wenn der Gedanke nach den Regeln der Mechanik wirkte, ist nicht viel erheblicher. Es ist wahr, ein Mensch, dem ich ganz sachte ins Ohr sage er werde arretiert werden, wenn er sich nicht augenblicklich fortmachte, geht durch und lauft viele Meilen mit der erschrecklichsten Bewegung fort. Allein nicht zu gedenken, dass wir die Wirkung eines Dings nicht nach dem Schalle schätzen müssen, den das Wort [macht], welches ihn erregt, so wenig, als man ein Crimen laesae majestatis nach dem Knall schätzt, den es tut, so wirkt der Gedanke beständig, und vielleicht auf eine Art, wie der Funke auf das Pulver.

 


 © textlog.de 2004 • 15.12.2019 13:22:25 •
Seite zuletzt aktualisiert: 14.04.2006 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Z