3. Jüngere Marxisten


Das wissenschaftliche Organ des Marxismus ist die seit 1883 erscheinende Wochenschrift Die neue Zeit, in der seitdem zahlreiche Schriftsteller der verschiedensten Nationen die marxistische Methode verteidigt und weiter auszubilden gesucht haben. Der Herausgeber, Karl Kautsky (geb. 1854), hat seine Stärke auf dem Gebiete der ökonomischen Theorie. Von seinen Hauptschriften nennen wir: Karl Marx' ökonomische Lehren gemeinverständlich dargestellt und erläutert (1887, jetzt in 13. Aufl.), Das Erfurter Programm, in seinem grundsätzlichen Teile erläutert (1892, jetzt in 10. Aufl.), sowie seine gegen die Kritik Bernsteins (S. 463) gerichtete Antikritik: Bernstein und das sozialdemokratische Programm (1899). Eine gute Skizze der mittelalterlichen Geschichtsentwicklung bis in den Anfang der Neuzeit gibt die ausführliche Einleitung seiner Bd. I, S. 318 zitierten Schrift über Thomas Morus. Später hat er auch seine prinzipielle Stellung zur Ethik präzisiert in der Schrift Ethik und materialistische Geschichtsauffassung, Stuttg. 1906. - Einen bemerkenswerten Versuch der Anwendung der materialistischen Geschichtsauffassung auf das literarisch-historische Gebiet machte Franz Mehring (1846-1919). Die Lessing-Legende (1893, jetzt in 3. Aufl.), auf das religionsgeschichtliche K. Kautsky, Der Ursprung des Christentums, Stuttg. 1908. Das vielgelesene Buch von A. Bebel (1840-1913), Die Frau und der Sozialismus (1879, 50. Aufl. 1910) erhebt selbst keinen Anspruch auf philosophische Bedeutung. Von weiteren, philosophisch in Betracht kommenden Mitarbeitern der Neuen Zeit nennen wir: die Franzosen Bonnier und Lafargue (1842 bis 1911), den Russen Plechanow (1857-1918), den Polen Kasimir von Kelles-Krauz (•), die Deutschen E. Bernstein (s. S. 463), H. Cunow (Ursprung der Religion, 1913) und Konrad Schmidt, den Italiener Antonio Labriola (geb. 1843, • als Professor zu Rom 1904, vgl. dessen geistvolle Schriften: Socialisme et philosophie, Paris 1899; Essais sur la conception matérialiste de l'histoire, 2. Aufl. 1902) nebst seiner Tochter Teresa Labriola (Priv.-Doz. in Rom) und seinen Schüler P. Orano, den Holländer A. Pannekoek, die Österreicher Friedrich Adler, Max Adler und O. Bauer (S. 464). Eine geschlossene philosophische Richtung hat sich innerhalb des modernen Sozialismus noch nicht zu allgemeiner Anerkennung gebracht. Bisher wog der Materialismus vor, vgl. z.B. Plechanow, Beiträge zur Geschichte des Materialismus; andere zeigen sich von Kant mehr oder weniger beeinflußt.


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