§ 74. Die Philosophie des Sozialismus.


Zur Literatur. Die Literatur über den Sozialismus überhaupt ist heute fast unübersehbar geworden. Schon 1893-99 gab Stammhammer eine ›Bibliographie des Sozialismus und Kommunismus‹ in zwei Bänden heraus, dem 1909 ein dritter gefolgt ist. Für die Jahre 1901-1905 findet sich die Literatur sehr reichhaltig verzeichnet und größtenteils besprochen in den von Eduard Bernstein herausgegebenen ›Dokumenten des Sozialismus‹, die seitdem leider eingegangen sind. Seit 1908 gab die ›Neue Zeit‹ eine Zeitlang ausführliche Übersichten über den Inhalt der sozialistischen Zeitschriften verschiedener Nationen, daneben von Zeit zu Zeit auch eine Bibliographie sozialistischer Schriften. Die meisten werden auch in dem von E. Jaffé geleiteten ›Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik‹ und anderen soziologischen Zeitschriften besprochen.

Für die philosophische Seite kommen vor allem in Betracht: Fr. Engels, L. Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, 1888, und: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, 6. Aufl. 1918; Joh. Huber, Die Philosophie in der Sozialdemokratie, München 1885. L. Stein, Die soziale Frage im Lichte der Philosophie, 2. Aufl. 1903 (mehr literar- historisch); Th. G. Masaryk, Die philosophischen und soziologischen Grundlagen des Marxismus, 1899; L. Woltmann, Der historische Materialismus, 1900. M. Tugan-Baranowsky, Theoretische Grundlagen, des Marxismus, Lpz. 1905; derselbe, Der moderne Sozialismus in seiner geschichtlichen Entwicklung, 1908. E. Hammacher, Das philosophisch- ökonomische System des Marxismus, Lpz. 1909. Zur Einführung zu empfehlen: F. Muckle, Die Geschichte der sozialistischen Ideen im 19. Jahrhundert, (Teubner) 1909. Die neueren philosophischen Bewegungen innerhalb des Sozialismus behandelt ausführlich K. Vorländer in seinem Buche: ›Kant und Marx‹ (Tübingen 1911). Endlich enthalten die sozialistischen Zeitschriften des Inund Auslandes manche philosophische Artikel, besonders die seit 1883 erscheinende Wochenschrift ›Neue Zeit‹, sowie, wenn auch in geringerem Maße, die seit 1896 erscheinenden ›Sozialistischen Monatshefte‹. Vgl. auch die beiden Werke von R. Stammler (S. 436) und dessen Artikel ›Materialistische Geschichtsauffassung‹ im Handwörterbuch der Staatsw. V. Bd.

Auf die utopistischen Anfänge des Sozialismus in England und Frankreich haben wir an früherer Stelle (I, 236, II, 144, 153 f.) hingewiesen. Erst im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Dampfmaschine und des Industrialismus, beginnt eine, freilich auch heute noch keineswegs zu voller Ausbildung gekommene, Philosophie des Sozialismus. Auch sie entsteht in Westeuropa, auch sie trägt fast die ganze erste Hälfte des Jahrhunderts hindurch wesentlich utopistischen Charakter. Erst mit dem Auftreten von Karl Marx entwickelt sich aus dem utopistischen der moderne oder wissenschaftliche Sozialismus.



Inhalt:


I. Die Utopisten
II. P. J. Proudhon
III. Der moderne oder marxistische Sozialismus
III.1. Karl Marx
III.2. Friedrich Engels
III.3. Jüngere Marxisten
IV. Kritische Nebenströmungen in und neben dem Marxismus


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