Aufzeichnungen der Pastoren Friedrich Zander, Felician Clar (auch Clarus) und Heinrich Wilhelm Voß


1673 den 5. November ist Anna Mulisch, die schon mehrere Kinder außer der Ehe gehabt, von mir getraut worden. Und dieser »Schandsack« hat sich in einem Kranze zur Kirche führen lassen.

1674 am 18. Dezember ist Ursula Lehmann enthauptet worden, weil sie das mit ihrem Schwager erzeugte Kind ins Wasser geworfen.

1675 am 3. August ist Andreas Fritze, Weinmeister hierselbst, begraben worden, der ein heftiges Gewächs gehabt hat, eines Viertels vom Scheffel groß, so ihm hinten am Halse gehangen. Ist aber doch vierundachtzig Jahr alt geworden.

1679 am 27. März sind auf unserer Feldmark zwei Soldaten begraben worden, welche den Tag vorher mit ihrer Compagnie hier einquartirt gewesen. Sie konnten keine Särrker (Särge) bekommen, weil ihnen ihre Kameraden nichts gelassen hatten als alte Lumpen, welche denn auch ihr Sterbekleid bleiben mußten.

1697. In diesem Jahr ist der Moskowitische Czar Peter bei Sr. Churf. Durchlaucht gewesen.

1717. Hoc anno celebratum est jubilaeum evangelico-Lutheranum. Math. 22,5.

1726 wurde wieder eine Kindesmörderin hingerichtet.

1727 starb Felician Clar, der vierzig Jahr in Gröben Pastor gewesen.

1729 wurde Botho Müller wegen Gotteslästerung durch den Henker ausgepeitscht und nach Spandau condemnirt.

1738 am 15. April ist Marie Elisabeth – Christoph Penselins, gewesenen Castellans zu Rheinsberg, Wittwe – hier angekommen und hat einen Sohn zur Welt gebracht. Vater soll sein Georg Ludwig Schreiber, Gärtnergesell in Rheinsberg.

1738 am 21. November wurde dem Andreas Fausten ein Söhnlein geboren. Das Kind hatte an seiner Nasenspitze ein Gewächs und von der Oberlippe war fast nichts zu sehen. Ingleichen hatte es an jedem kleinen Finger einen Zipfel. Nota bene. Der Mann hatte seine Frau mit dem Knecht beschuldigt, worauf diese gesaget: »wenn das wahr ist, so gebe Gott ein Zeichen an dem Kinde«. Drei Stunden nach der Geburt ist es verstorben.

1741 am 10. April hat Herr Johann Christian von Schlabrendorf, K. preuß. Lieutnant, in der an diesem Tage um ein Uhr nachmittags zwischen Brieg und dem Dorfe Mollwitz vorgefallenen scharfen Aktion durch einen Musketenschuß, so ihn durch den Kopf getroffen, das Ende seines Lebens gefunden, nachdem er sein Alter gebracht auf 29 Jahr 4 Monate.

1743 am 12. November hat sich Gustav Albrecht von Schlabrendorf, Erb- und Gerichtsherr auf Gröben und K. preuß. Hauptmann im Dragoner-Regiment des Herrn Generalmajors von Roëll zu Tilsit in Preußen vermählt und zwar mit Fräulein Christiane Amalie Ernestine von Roëll, Tochter obengenannten Generalmajors.

Auf den nächsten Blättern erfolgt nun die Registrierung der Kinder, die dem Hauptmann Gustav Albrecht von Schlabrendorf aus dieser seiner Ehe geboren wurden. Alle diese Geburten und Taufen fanden in Tilsit und Insterburg statt, wo das Roëllsche Dragonerregiment in Garnison lag, aber das Gröbener Kirchenbuch ermangelte nicht auch seinerseits darüber zu berichten und sogar die jedesmaligen Paten aufzuführen: den König, Prinz Heinrich, Prinz Ferdinand, Prinz Ferdinand von Braunschweig usw. Aus eben diesen Aufzeichnungen erfahren wir auch von dem jeweiligen Avancement Gustav Albrechts von Schlabrendorf. Im Beginn des Siebenjährigen Krieges war er Oberstleutnant, ritt mit in der berühmten Attacke bei Zorndorf und empfing überhaupt dreiundzwanzig Wunden. Er starb später als General in Breslau. Bei Gelegenheit seines Todes komme ich auf ihn zurück.

1751 am 31. März ist Eva Pipers uneheliches Kind getauft worden. Der Vater ist Martin Meene, ein lausiger junger Flegel.

1752 am 25. Julius ist die Christiane Mirtzen, ein Schandsack, mit Zwillingen niedergekommen. Der Vater ist der Schäferknecht Michel Pohlmann, ein Erz-Ehebrecher. Gleich zu gleich gesellt sich gern.

1754. In diesem Jahre, d.h. in der Zeit vom 23. Sonntage nach Trinitatis 1753 bis Ostern 1754, hat die Viehseuche hier so gewüthet, daß alles Vieh, jung und alt, hingefallen und keiner was behalten, ausgenommen der Prediger drei Stück und der Küster fünf Kühe. In der ganzen Zeit ist dieser Ort eingesperrt worden.

1755. In diesem Jahre hat allhier, wegen des überhand genommenen großen Wassers, kein Heu können gemäht werden, und sind aus eben dieser Ursache auch beide Ernten gar schlecht ausgefallen.

1755 am 21. Juni war ein entsetzliches Unwetter mit Feuerschaden, und nur das große Wohnhaus des adligen Hofes ist gerettet worden.

1757 am 29. Dezember ist der Weinmeisterknecht Martin Hintze mit der Dorothea Harnack getraut worden. Erzbube mit Erzdirne.

1760 am 11., 12. und 13. Oktober ist Gröben von einigen herumschweifenden Östreichern, nebst etlichen von der Reichsarmee, heimgesuchet worden. Bei welcher Gelegenheit dieser Ort nicht allein an 700 Thlr. Brandschatzung hat geben müssen, sondern sind auch noch die Einwohner geplündert und ihnen ihre Pferde weggenommen worden. Desgleichen ist auch die Kirche und das Pfarrhaus nicht verschont geblieben. In ersterer ist der Kirchkasten aufgebrochen und das darin von etwa vier Jahren her befindliche Klingebeutelgeld geraubt wurden. In dem Pfarrhause haben sie jegliches unten und oben umgewühlt, wodurch dem Prediger über 250 Thlr. Schaden verursacht worden. Gott behüt' uns vor fernerem Einfall und Räuberhaufen.

An anderer Stelle: »Diese grausamen Menschen haben mir und den andern Einwohnern dieses Ortes nichts als das Hemd auf dem Leibe gelassen und haben auch aus dem Gotteskasten das vorhandene Kirchgeld mit weg geraubt. O tempora, o mores.«

1761 am 7. Oktober hat sich der Kossäte Christian Krüger zwischen 3 und 4 Uhr morgens, aus eingewurzelter Melancholie und Gemütsschwachheit, in seinem Garten an einem Birnbaum mit einem Strick erwürget. Er ist in der Stille, aber auf eine ehrliche Art begraben worden. Gott bewahre jeden vor solchem desperaten Weg aus der Zeit in die Ewigkeit.

1762 vom 7. bis 10. Mai hat es so stark gefroren, daß alle Weinberge hier herum erfroren sind.

1765 den 26. Oktober, in der Nacht gegen 12 Uhr, ist in Breslau der weiland hochwohlgeborene Herr Gustav Albrecht von Schlabrendorf, Sr. K. M. in Preußen wohlbestallter Generalmajor von der Cavallerie und Chef eines Regiments Cürassier, Erb- und Gerichtsherr zu Gröben, Jütchendorf und Waßmannsdorf, nachdem er dem hohen K. Hause 41 Jahr und 11 Monate rühmlichst gedient und sein Alter auf 61 Jahre 10 Monate und 4 Tage gebracht hat, selig in dem Herrn entschlafen, und darauf den 10. Dezember c. a. von Breslau nach Gröben gebracht und in dem hochadligen Erbbegräbniß hierselbst beigesetzt worden. Der Verlust dieses würdigen Mannes und wahren Menschenfreundes wird von dem ganzen löblichen Regiment und von allen Denen, welche den Wohlseligen und dessen rühmliche Eigenschaften und hohen Charakter gekannt haben, aufrichtig bedauert.

Mit dem Tode Gustav Albrechts von Schlabrendorf, der, wiewohlen er erst in Preußen und dann in Schlesien in Garnison stand, auch aus der Ferne her ein gut Regiment geführt zu haben scheint, geriet alles in einen raschen Verfall. Das der Nebenlinie gehörige Siethen ging darin freilich voran, aber auch Gröben folgte bald. Auf den nächsten Blättern des Kirchenbuchs werden wir ausgiebig darüber unterrichtet und zwar durch Aufzeichnungen des Pastors Redde, der 1769 ins Amt kam und sich's angelegen sein ließ, seine verurteilenden Sentenzen ohne Menschenfurcht in seine Toten-, Tauf- und Trauregister einzutragen. Nur für die Nicht-Schlabrendorfs hat er noch gelegentliche Worte der Huldigung, so daß Anerkennung und Verurteilung in seinen Aufzeichnungen wechseln.




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 © textlog.de 2004 • 19.10.2017 14:55:45 •
Seite zuletzt aktualisiert: 10.11.2007 
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