Klein-Machnow
oder Machnow auf dem Sande


Bei Warschau, bei Wien,

Bei Fehrbellin,

Ob Friedrich Wilhelm, ob alter Fritz,

Ob Leuthen, Lützen, Dennewitz,

Ein alter märkischer Edelmann

Ist immer dabei, ist immer voran.


Klein-Machnow ist ein reizend gelegenes Dorf, das sich an einem vom Teltefließ gebildeten See hinzieht. Die Häuser sind ärmlich, aber schöne Kastanienalleen, wie sie während des vorigen Jahrhunderts fast überall in den Nachbardörfern Berlins entstanden, geben dem Ganzen ein sehr malerisches Ansehen.

Das Dorf ist alter Besitz der von Hakes. Diese Familie, die drei Gemshörner (Haken) im Wappen führt, war früher wie im Havellande so auch im Teltow reich begütert, besitzt aber in letztrem Kreise, nach Einbuße von Genshagen und Heinersdorf, nur noch Klein-Machnow und das Patronat über das angrenzende Stahnsdorf. Am Nordufer des schon genannten Sees erhebt sich der Seeberg, von dessen westlichem Abhang aus man einen prächtigen Blick ins Land hat, die Türme von Potsdam am Horizont.

Bevor wir uns im Dorfe selbst und zumal in seiner alten Kirche umsehen, sei noch ein orientierendes Vorwort gestattet über die Hakes und Hackes. Hinsichtlich dieser beiden Familien herrscht nämlich, was die Rechtschreibung ihrer Namen angeht, eine große Verwirrung, die schließlich zu Verwechslungen aller Art geführt hat. Erst neuerdings scheint man sich dahin geeinigt zu haben, nicht abwechselnd und nach Laune Hake, Haake, Haacke, Hacke usw. zu schreiben, sondern im Einklange damit, daß es zwei bestimmt geschiedene Familien gibt, auch zwei bestimmt geschiedene Namen anzunehmen: die Hakes und die Hackes.

Die Hackes sind aller Wahrscheinlichkeit nach aus Franken und zwar in verhältnismäßig später Zeit in die Mark gekommen. Ihnen gehört vor allem Hans Christoph Friedrich von Hacke, genannt der »lange Hacke«, der bekannte Liebling Friedrich Wilhelms I. an. Er war Oberst und Generaladjutant des Königs und derselbe, an den sich der bereits sterbende Monarch, als er die Stallbedienten unten im Hof auf einem groben Fehler ertappte, mit der bekannten Aufforderung wandte: »Gehen Sie doch hinunter Hacke 33) und prügeln Sie die Schurken.«

In gar keiner Beziehung zu diesen Hackes stehen die Hakes.34) Sie haben seit fünfhundert Jahren immer als einfache Edelleute in der Mark gelebt und seit dreihundert Jahren das Erbschenkenamt der Kurmark Brandenburg bekleidet. In allen Kriegen, die wir seit den Tagen des Großen Kurfürsten geführt haben, haben zahlreiche Mitglieder dieser Familie auf unseren Schlachtfeldern gekämpft und geblutet, besonders zahlreich zur Zeit der Türkenkriege und des Spanischen Erbfolgekrieges. Ein General der Infanterie und zwei Generalleutnants gingen aus ihr hervor. Von den Generalleutnants machte Ernst Ludwig von Hake, geboren 1651 zu Klein-Machnow, den Spanischen Erbfolgekrieg als Oberst bei der Leibgarde mit; Levin Friedrich von Hake, geboren zu Genshagen, focht in den Schlesischen und im Siebenjährigen Kriege; endlich Albrecht George Ernst Karl von Hake, geboren am 8. August 1769 zu Flatow, zeichnete sich während der Befreiungskriege aus, wurde 1819 Kriegsminister und 1825 General der Infanterie. Er starb 1835 zu Castellamare. Diese drei Hakes repräsentieren, wie die drei großen Kriegsepochen unserer Geschichte, so auch drei verschiedene Zweige ihres eigenen Geschlechts und zwar die Häuser: Klein-Machnow, Genshagen, Flatow. Alle drei waren unverheiratet oder kinderlos und zwei von ihnen Ritter des Schwarzen Adlerordens.

 

Sie alle aber, brav und ruhmreich wie sie waren, werden mutmaßlich von einem ihrer ersten Vorfahren, von Hans von Hake, gemeinhin Hake von Stülpe genannt, überlebt werden. Dieser Hake von Stülpe war es, der auf der Golmheide zwischen Jüterbog und Trebbin den Ablaßkrämer Tetzel überfiel und ihm, unter der höhnischen Vorhaltung »den Ablaßzettel für erst noch zu begehende Sünden gestern von ihm gekauft zu haben«, die ganze Barschaft abnahm und den Kasten bergab in den Schnee rollte. Dieser Kasten befindet sich bis auf den heutigen Tag in der Kirche zu Jüterbog, Hake von Stülpe selbst aber (auch Willibald Alexis hat ihm in seinem Roman der »Wärwolf« einen Abschnitt gewidmet) wird als eine jener Figuren, wie sie das Volk gern hat, in unserer Landesgeschichte fortleben. Der gute Humor, der Übermut und der Streich, der dem ganzen Ablaßkram dadurch gespielt wurde, haben von jeher dafür gesorgt, daß man die Tat mehr auf ihre humoristische Derbheit als auf ihren sittlichen Gehalt geprüft hat.

 

Wir kehren nach diesen Vorbemerkungen in unser Dorf zurück und schreiten, immer den laubholzumstandenen, stillen See zu unsrer Rechten, die blühende Kastanienallee hinauf. An Bemerkenswertem finden wir das Herrenhaus, das alte Schloß, die Wassermühle und die Kirche.

Das Herrenhaus ist ein moderner Bau aus den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts. Nach der Gartenseite hin hat es einen halbkreisförmigen, von hohen ionischen Säulen getragenen Vorbau, der dem Ganzen etwas Stattliches leiht. Die Auffahrt auf den sehr geräumigen Hof erfolgt durch ein altes Sandsteinportal, das nach außen hin einen Medusenkopf und auf diesem eine Minerva zeigt. Die Dorfleute betrachten den Medusenkopf als das Porträt eines hartherzigen Vorbesitzers, der schließlich von den Schlangen verzehrt worden sei.35)

Das alte Schloß, in unmittelbarer Nähe des jetzigen Herrenhauses, ist eines der wenigen alten Schloßgebäude, die sich bis auf diesen Tag in unserer Mark erhalten haben. Es besteht aus einem schmucklosen Viereck, an dessen Nordseite sich ein sechseckiger Treppenturm lehnt. Dieser Turm überragt das Hauptgebäude nur um wenige Fuß und trägt ein Dach von eigentümlicher und schwer zu beschreibender Form; in der Mitte des eigentlichen Schloßbaus aber und zwar in seinem Erdgeschosse befindet sich ein starker sechs- oder achteckiger Pfeiler, der das Obergeschoß zu tragen scheint. Welcher Zeit dieser Pfeiler angehört, mag dahingestellt bleiben. Bei der Seltenheit derartiger baulicher Überbleibsel in unserer Mark ist es vielleicht gerechtfertigt, die Aufmerksamkeit unserer Archäologen darauf hinzulenken. Von historischen Erinnerungen knüpft sich nichts an diesen Bau. Gemeinhin hat hierlandes die Ortsgeschichte den Ort selbst überdauert; wir wissen von der Existenz dieser oder jener Burg, von diesem oder jenem was drin geschah, und nur die Burg selbst ist hin; in Klein-Machnow ist es umgekehrt, die Burg existiert, aber die Geschichte fehlt. Dies hat zum Teil wohl seinen Grund darin, daß Klein-Machnow nach dem Aussterben der Machnowschen Hakes, etwa um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, in Besitz einer Nebenlinie kam: der Hakes von Flatow im Havellande, wodurch die lebendige Tradition unterbrochen wurde.

Die Wassermühle. Ein schöner, massiver Bau, durch die Gebrüder von Hake im Jahre 1856 neu aufgeführt. Eine Inschriftstafel der alten Mühle hat man in die Frontwand des Neubaues wieder eingefügt. Die alte Inschrift lautet: »Anno 1695 hat Herr Ernst Ludwig von Hake, Seiner churfürstlichen Durchlaucht zu Brandenburg Friederici III Oberster bei der Garde zu Fuß, diese adlige Freymühle hinwiederumb ganz neue aus dem Grunde erbauet, weilen die alte gantz zerfallen.« Diese Machnowsche oder Hakesche Wassermühle wird in alten Urkunden oft erwähnt, doch ist sie nicht mit der noch älteren Wassermühle bei Potsdam, kurz vorm Einfluß der Nuthe in die Havel zu verwechseln, die eigens den Namen Hakemühle (früher Hackenmohle) führt. Sie ist viel älter als die Hakes und wird schon 933 genannt, in welchem Jahre König Otto III. seiner Tante, der Äbtissin Mathilde von Quedlinburg, den Ort Potsdam schenkte.

Die alte Kirche. Gegenüber der Einfahrt mit dem Medusenkopf liegt die Kirche. Ehe wir sie erreichen, passieren wir ein Steinkreuz, hart an der Straße, zum Andenken eines Schlabrendorf errichtet, der hier in einem Duell mit einem von Hake auf offener Dorfstraße getötet wurde. Sporen und Degen des Gefallenen sind in der Kirche aufgehängt. Nicht immer übrigens waren die Hakes Sieger bei solchen Vorfällen. Auf einem anderen Familiengute kam es zu einem Duell zwischen einem Hake und einem von Bornstaedt. Man schoß sich in der großen Halle des Hauses und Hake fiel. Ursach war ein Stückchen niedergetretenes Erbsenfeld. Man war damals rasch bei der Hand.

Wir sind nun an die Kirche herangetreten. Es ist ein überraschend gefälliger, beinah feinstilisierter Backsteinbau aus dem sechzehnten Jahrhundert (vielleicht auch schon aus dem fünfzehnten) reizend zwischen Bäumen und Efeugräbern gelegen und von einer Steinmauer eingefaßt. Die eine Kirchenwand trägt zwar deutlich die Inschrift: »Casparus Jacke, Maurermeister zu Potsdam 1597«, doch hat er die Kirche sehr wahrscheinlich nur restauriert. Der Unterbau, bis zum Beginn der Fenster, ist jedenfalls viel älter und die bestimmt zutage tretende Verschiedenheit der Steine hat denn auch zu der Sage geführt, daß zwei Schwestern die Kirche gebaut und helle und dunkle Ziegel genommen hätten, um ihren Anteil unterscheiden zu können.

Unter den verschiedenen Grabsteinen und Denkmälern, die die Kirche besitzt, ist vorzugsweise eine Gedenktafel zu erwähnen, die Ernst Ludwig von Hake, obengenannter Oberster in Friedrichs III. Leibgarde zu Fuß, im Jahre 1696 zu ehrendem Gedächtnis seiner Eltern und Geschwister hat errichten lassen.

Diese Gedenktafel gibt zuvörderst die Namen seiner Eltern – Otto von Hake 1682 und Anna Maria von Pfuhlin 1682 – und demnächst die seiner vierzehn Geschwister: neun Brüder und fünf Schwestern. Aus der langen Reihe von Namen und Daten mögen hier folgende stehen:

Gürge Bertram von Hake. Geboren 1641; Leutnant im K. K. hochlöblichen spanischen Regiment zu Fuß; gefallen am 20. Juni 1662 bei Erstürmung von Serimvar durch die Türken.

Otto Sigismund v. H. Geboren 1643; Kaiserlicher Kapitänleutnant im Götzschen Dragonerregiment, gefallen 1664 im Passe Kirment in Ungarn.

Heino Friedrich v. H. Geboren 1644; gestorben im Zipser Land 1667, war Leutnant im spanischen Regiment zu Fuß.

Adolph Heinrich v. H. Geboren 1652; Leutnant im Terzkyschen Regiment zu Fuß, gestorben zu Zwoll in Holland.

Christoph Ehrenreich v. H. Geboren 1656; Kapitän im brandenburgischen Leibregiment Dragoner, gefallen 1686 bei Bestürmung und Eroberung der Festung Ofen.

Die einfachen Angaben dieser Gedenktafel zeigen deutlich den Geist, der damals in der Familie lebendig war. Die Mark gehörte noch zum »Reich« und die Kämpfe Habsburgs waren noch die Kämpfe Brandenburgs. Vier der Otto von Hakeschen Söhne dienten in österreichischen Regimentern, zwei fielen im Türkenkrieg, zwei erlagen der Krankheit. Der fünfte und jüngste war Kapitän in einem brandenburgischen Regiment, focht aber, in dem vom General von Schöning kommandierten Kontingent, für dieselbe Sache und fiel im Kampfe gegen den Erbfeind.

Der mehrerwähnte Ernst Ludwig von Hake scheint übrigens gleichzeitig zu ehrendem Gedächtnis seiner vor ihm heimgegangenen Brüder die Kirche zu Machnow mit zehn Fahnen ausgeschmückt zu haben, von denen jede einen Banner- oder Sinnspruch trug, dessen Anfangsbuchstaben dem Tauf- und Familiennamen des zu Feiernden entsprachen. Drei von diesen Fahnen existieren noch, die andern sieben sind zerfetzt und zeigen wenig mehr als die Stöcke. Die Sinnsprüche der noch vorhandenen drei Fahnen sind die folgenden:

Ornat Virtus Heroem (Otto Von Hake).

Coelum Est Vera Habitatio (Christoph Ehrenreich Von Hake).

Abimus Hinc Veluti Hospites (Adolph Heinrich Von Hake).

Außerdem befindet sich noch ein Denkmal des 1704 bei Höchstädt auf den Tod verwundeten und zu Nördlingen begrabenen Ehrenreich von Hake, sowie ferner ein elftes Banner in der Kirche, das Hedwig Margarethe von Hake, eine Schwester der oben angeführten kaiserlichen und kurbrandenburgischen Offiziere, zu Ehren ihres bei Fehrbellin gefallenen Bräutigams aufrichten ließ. Dies Banner führt folgende Inschrift: »Dem Herrn Ernst von Schlabrendorf, Obrist- Wachtmeister in des Obristleutnants von Grumbkow Esquadron-Dragoner, gefallen 1675 bei Fehrbellin und in der Dalimschen Kirche beigesetzt.«

Die Forsten von Klein-Machnow grenzen an den Grunewald und das Potsdamer Jagdrevier. Es war deshalb den jagdliebenden Hohenzollern von jeher daran gelegen, die Jagdgerechtigkeit auf dem Machnowschen Territorium zu haben und die Hakes besitzen denn auch aus dem Ende des siebzehnten und dem Anfange des achtzehnten Jahrhunderts eine ziemliche Anzahl von Verpachtungsurkunden, in denen das Verhältnis zwischen den eigentlichen Besitzern und dem fürstlichen Jagdpächter geregelt wird. In einer dieser Urkunden heißt es: »Seine Kurfürstliche Durchlaucht (Friedrich III.) wollen Ihnen, Denen von Hake und ihren Successoribus, bei vorfallenden ›Ausrichtungen‹, als Hochzeiten, Kindtaufen und Begräbnissen, etwas an rothem Wildbret auf ihr unterthänigstes Ansuchen ohne Entgelt reichen lassen.« Der Wortlaut dieser Urkunde – die hundertundfünfzig Jahre lang unbeachtet im Familienarchiv gelegen haben mochte – ward 1848 von dem Assessor von Hake zu einer Eingabe an die Potsdamer Regierung benutzt und zwar unter Hinweis darauf, daß der vorgesehene Fall eingetreten und ihm ein Töchterchen geboren sei. Die Regierung beeilte sich auch wirklich, dem wohlbegründeten Gesuch nachzukommen und ein tüchtiger Hirsch wurde zur Taufe des kleinen Fräulein von Hake in die gutsherrliche Küche geliefert. »Leider – so erzählte mir Herr von Hake – hat es bei diesem einen Hirsch sein Bewenden gehabt; noch andere Kinder sind mir seitdem geboren worden, aber infolge der Aufhebung des Jagdrechts ist mittlerweile meine alte Wildbretsurkunde zu einem toten Stück Papier geworden.«

Machnow auf dem Sande ist nur eine gute halbe Stunde vom Wann- und Schlachtensee und all jenen andern im Grunewald gelegenen Wald- und Wasserpartien entfernt, die, wenn längst gehegte Wünsche sich erfüllen (erfüllten sich seitdem), über kurz oder lang vor die Tore Berlins gerückt sein werden. Dann, wenn die steil abfallende Hügelreihe, die das weite Becken des Wannsee von Osten her umfaßt, zu einem Kai für heitre, von wildem Wein umlaubte Villen geworden sein und Forst und Fluß nach allen Seiten hin durchstreift werden wird, dann wird auch das hübsche Dorf am Teltefließ seine Besucher und seine Verehrer gefunden haben.

Mögen diese dann an der alten, efeuversteckten Kirche und an dem Steinkreuz des gefallenen Schlabrendorf nicht vorübergehen.

 

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33) Über ihn, diesen Obersten von Hacke, ein paar biographische Notizen, wie sie mir von befreundeter Hand zugehen. »Hans Christoph von Hacke wurde 1699 zu Staßfurt geboren. Er war ein besonderer Günstling König Friedrich Wilhelms I., der ihn, seiner Größe wegen, 1715 bei den Grenadieren in Potsdam anstellte. So war der Anfang. Er erhob ihn dann 1728 zum Drosten von Speremberg, 1732 zum Hofjägermeister, 1734 zum Generaladjutanten und vermählte ihn mit der Erbtochter des Ministers von Creutz, Sophie Albertine, die ihm in Pommern große Besitzungen zubrachte, darunter namentlich Pencun und Amt Radewitz. von Hacke blieb bis zuletzt in der Gunst und Umgebung des Königs, der ihm in seiner Sterbestunde noch Aufträge für seinen Sohn, den Kronprinzen, erteilte. Der Regierungswechsel änderte wenig in seiner intimen Stellung bei Hofe. Friedrich II. erhob ihn schon im Juli 1740 in den Grafenstand; ebenso war er unter den ersten, die den neugestifteten Orden Pour le mérite aus der Hand des jungen Königs empfingen. In der Schlacht bei Mollwitz (1741) wurd' er verwundet und stieg nun rasch von Stufe zu Stufe: 1743 Generalmajor, 1747 Generalleutnant, 1748 Ritter des Schwarzen Adlerordens, 1749 Kommandant von Berlin. Von 1750 an dirigierte er den Bau der ›Spandauer Vorstadt‹ und gründete den nach ihm genannten Haackschen eigentlich Hackeschen Markt. Er starb am 17. August 1754«. Dieser gräflich von Hackeschen Familie gehören an: Edwin Graf von Hacke auf Alt-Ranft im Oderbruch, Editha Gräfin von Hacke, ehemals Hofdame der Königin Elisabeth, Adelaide Gräfin von Hacke, Palastdame Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta, Virginie Gräfin von Hacke, Hofdame.

34) Die Hakes sind die einzige Familie, die wir, seit länger als vierhundert Jahren, ununterbrochen im Teltow sehn. Ihnen folgen die seit etwa zweihundertundfünfzig Jahren ebendaselbst angesessenen Görtzkes. Die wenigen adligen Familien (darunter die von dem Knesebeck und von Haeseler), die sich außerdem noch im Teltow vorfinden, gehören diesem Landesteil erst seit kurzem an, während die alten Teltow-Familien: von Beeren, von der Liepe, von Britzke (in Britz), von Wilmersdorf, von Otterstedt, von Boytin, von Groeben, von Flanß, von Thümen, von Schlabrendorf teils ausgestorben, teils in andern Landesteilen seßhaft geworden sind. In keinem Teile der Mark hat der Güterbesitz so oft gewechselt als in Teltow und Barnim. Der Einfluß der Hauptstadt ist dabei unverkennbar.

35) Nichts scheint das Volk in seinem poetischen Hange so schöpferisch zu stimmen als der Anblick von Kunstwerken, die es nicht versteht. Es ruht nicht eher, als bis es eine Deutung gefunden hat, wobei es zugleich eine Neigung und ein Geschick zeigt, schon vorhandene Sagen oder Geschichten dem gegebenen rätselhaften Etwas anzupassen. Es gilt dies beispielsweis auch von der »Adonisstatue mit dem Eberkopf« im Schloßparke zu Köpenick. Die Sage, die sich daran knüpft, ist die folgende: Einem Jäger Joachims II. träumt, er werde bei der nächsten Jagd von einem Eber getötet werden. Er erzählt seinen Traum am andern Morgen und man läßt ihn im Schloß zurück. Die andern kehren mit reicher Jagdbeute heim und der zurückgebliebene Jäger packt nun einen toten Eber, um ihn in die Küche zu ziehen, fällt aber dabei und reißt sich an einem der Hauer den Schenkel auf. Daran stirbt er andren Tags. Diese Geschichte mag sich einmal ereignet haben, irgendwo vielleicht, aber schwerlich in Köpenick, und sie würd' über das alte Spreeschloß immer hinweggezogen sein, wenn nicht beim Neubau des Schlosses die Errichtung der Adonisstatue mit dem Eberkopf die Sage plötzlich fixiert und ihr Anlehnung und eine neue Heimat geboten hätte. So kommt es, daß man an den verschiedensten Orten denselben Geschichten begegnet; die meisten dieser Orte sind gleichsam nur Filial und der Mutter-Sagenort ist oft schwer zu bestimmen. – Der Medusenkopf am Portal alter Schlösser hat gewiß schon oft als schlangenumwundenes Porträt hartherziger Schloßherrn gelten müssen, und der alte Herr von Hake hat unzweifelhaft Kameraden in allen Ländern. Der Satz, den ich aufstellen möchte, ist der: das Volk hat eine Neigung, Allgemeines oder wenigstens an vielen Orten sich Findendes zu lokalisieren, sobald gewisse Bedingungen erfüllt, gewisse äußerliche Anhaltepunkte für diese Lokalisierung gegeben sind.




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 © textlog.de 2004 • 25.06.2017 01:58:29 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.11.2007 
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