Buckow


Die Stadt Buckow und ihre schönen Umgebungen habe ich an anderer Stelle (vgl. S. 90) ausführlich beschrieben. Das Schloßgräflich Flemmingsch – enthält neben andern Sehenswürdigkeiten einen bemerkenswerten Speisesaal, eine Jugendarbeit Schinkels. Dieser Saal zieht sich, nach Art einer rundgewölbten Halle, quer durch die Mitte des Schlosses, das nun, an den beiden ausmündenden Stellen, nach vorn und hinten zu, um einige Fuß vorspringt. Kassetten schmücken die Decke des Saals, der mittelst einer großen, den Bau nach der Gartenseite hin abschließenden Glaswand, das nötige Licht empfängt. Über der Halle, in einem Saal von gleichen Dimensionen, befindet sich die Bildergalerie.

Schloß Buckow, wie alles, was es enthält, ist aus verhältnismäßig später Zeit und nur die Buckower Kirche, die sich malerisch auf einem Hügel am Ausgange der Stadt erhebt, weist noch einzelne Pfuelsche Reminiszenzen auf. Links neben dem Altar, an einem der hohen Wandpfeiler,79) befindet sich eine große, sieben bis acht Fuß hohe »Trophäe«, die sich aus in Holz geschnitzten Kanonen, Trommeln, Fahnen, Standarten usw. zusammensetzt und in ihrer Mitte das Pfuelsche Wappen trägt. Das Ganze eine ziemlich rohe, bunt bemalte Arbeit mit folgender Inschrift: »Der Hochedelgeborne Herr, Herr George Adam von Pfuel, Sr. Churf. Durchlaucht zu Brandenburg, hochwohlbestallter General-Major, Gouverneur und Oberhauptmann der Veste Spandau, auch Obrister zu Roß und Fuß, auf Groß- und Klein-Buckow, Obersdorf, Möschen, Garzin, Sieversdorff, Hasenholz, Damsdorf und Münchehofe, geb. den 15. November 1618, gestorben im Juli Anno 1672, seines Alters 54 Jahre weniger 5 Monate.«

Dieser Georg Adam von Pfuel, der in der noch zugänglichen Gruft der Buckower Kirche ruht, machte während des Dreißigjährigen Krieges unter seinem berühmteren Oheim Adam von Pfuel die Kriegsschule durch. Er kommandierte später selbständig, war ein Zeitgenosse Sparrs, Görtzkes, Derfflingers, und zeichnete sich während des polnischen Krieges und bald darauf während des Zuges nach Holstein aus. Die glänzendste Zeit des Großen Kurfürsten erlebte er nicht mehr. Außer der Herrschaft Buckow besaß er die Dörfer Dahlem und Marzahn in der Nähe von Berlin. Sein Bildnis befindet sich in Jahnsfelde.

Durch die Tochter Georg Adams, die den später in sächsischen und preußischen Diensten so berühmt gewordenen Feldmarschall Heino Heinrich von Flemming heiratete, kam Buckow an die Flemmings, die es also seit ungefähr zweihundert Jahren besitzen. Nach anderer Angabe war der Feldmarschall von Flemming ein Sohn aus der Ehe der Pfuelschen Erbtochter mit einem Flemming.

 

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79) Gegenüber dem Wandpfeiler, der diese Trophäe trägt, befindet sich, in gleicher Höhe mit den Emporen der Kirche, der ehemalig Pfuelsche Chor- oder Kirchenstuhl, groß und geräumig, nach Art eines Zimmers. An seiner Vorderwandung bemerken wir drei oder vier ineinander verschlungene Goldbuchstaben, die aller Entzifferung spotten, höchst wahrscheinlich aber einen Pfuelschen Namenszug darstellen. Der Kirchenstuhl selber hat etwas unheimlich Geheimnisvolles. Die Fenster sind ausgenommen und wenn man auf die Brüstung einer der Nebenemporen steigt, um von der Seite her hineinzulugen, so gewahrt man nichts als einen rostigen Kamin, Spinnweb und verstaubte Gewölbekappen, die unter den aufgerissenen Dielen sichtbar werden. Der Aufgang zu diesem Chorstuhl ist vermauert (man erkennt noch die Stelle, wo die Treppe mündete) und wie die Jahre wachsen, so wächst auch der Reiz der Frage: Wer hat diese Dielen aufgerissen? Wer bangte vor diesem Platz? Wer hat ihn vermauert?




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 © textlog.de 2004 • 17.10.2017 04:11:24 •
Seite zuletzt aktualisiert: 24.10.2007 
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