Energie

Energie (energeia): Wirksamkeit, Betätigungskraft, Arbeitsfähigkeit, Arbeit. Die physikalische Energie ist die Fähigkeit, Arbeit zu leisten, die Wirkungsfähigkeit der Masse; sie ist actuelle (insbesondere kinetische) oder potentielle Energie, d.h. sichtbare, an die Bewegung geknüpfte, oder unsichtbare, analog der lebendigen Kraft gedachte Energie. Das Gesetz der Konstanz und Erhaltung der Energie besagt, daß bei allen Umwandlungen der Energieformen in andere das Quantum (aktueller und potentieller) Energie unverändert bleibt, daß Energie weder neu entstehen noch verloren gehen kann. Es beruht dies Gesetz auf einem durch Erfahrung wachgerufenen und auch erhärteten Postulate des auf Geschlossenheit und Einheit des Naturgeschehens ausgehenden kausalen Denkens, in letzter Linie auf der Setzung der materiellen Substanz als eines permanierenden Prinzips. Psychische (geistige) Energie ist die Wirkungsfähigkeit, Wirksamkeit von Bewußtseinsfactoren, die Wertgröße eines psychischen Gebildes. Der Name »Energie« wird auf mechanischem Gebiet schon von TH. YOUNG (1800) gebraucht, aber erst nach 1850 von den englischen Physikern auf die gesamte Physik übertragen (MACH, Wärmelehre2, S. 256).

Der Terminus »Energie« verdankt seine Entstehung dem ARISTOTELES. Bei ihm heißt energeia (en ergô einai) die lebendige Wirklichkeit und Wirksamkeit, das Auswirken, Verwirklichen, Wirklichsein im Unterschiede von der bloßen Potenz (dynamis) (Met. IX, 6 squ.). Sehen, Erkennen, Leben u. dgl. sind Energien. Alles Geschehen ist Übergehen aus dem Zustande der dynamisin den der energeia durch die Tätigkeit einer »Form« (s. d.), die selbst energeia ist. Die Energie ist das Prius der Potenz (phaneron hoti proteron energeia dynameôs estin, Met. IX 8, 1049 b 5). Eine Energie kann wieder nur durch eine Energie ausgelöst werden (aiei gar ek tou dynamei ontos gignetai to energeia on hypo energeia ontos, hoion anthrôpos ex anthrôpou..., aiei kinountos tinos prôtou. to de kinoun energeia êdê estin, Met. IX 8, 1049 b 25). Die Energie ist zugleich Zweckursache (telos d'hê energeia, kai toutou charin hê dynamis lambanetai, Met. IX 8, 1050 a 9 squ.). Der Stoff ist bloß dynamis, Gott (s. d.) hingegen reine energeia (»actus purus«). Die Unterscheidung von »potentia« und Energie (actus, actualitas = operatio, vgl. SCOTUS ERIUGENA, Divis. natur. I, 44) spielt in der Scholastik eine große Rolle. LEIBNIZ schreibt den Monaden (s. d.) eine beständige Energie zu.



Inhalt:


Gesetz der Konstanz der Energie

 © textlog.de 2004 • 17.12.2017 16:55:33 •
Seite zuletzt aktualisiert: 19.03.2005 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z