Agathon


[C 328] Wieland erzählt so viel Gutes vom Agathon, und scheint alle seine feinen Beobachtungen des Menschen zu erschöpfen uns diesen Menschen sonderbar und groß vorzustellen, er spricht aber selbst so wenig, dass uns alles dieses nur Testimonia zu sein scheinen, und als solche wirken. Ich kann es unmöglich glauben, dass ein so schwärmerischer delphischer Jesuiten-Schüler Athen nur eine Stunde beherrschen kann, ja es wird mir bange, wenn ich höre, dass er sich dazu entschließt. Leute wie Agathon in Delphi entschließen sich selten oder niemals Beherrscher zu werden und taugen auch nicht dazu. Ich bin durch das ganze Stück dem Agathon nicht recht gut gewesen. Ich möchte fast sagen, ich mißgönne es dem delphischen Jesuiten-Schüler, dass sich ein so großer Mann wie Wieland für ihn interessiert und jede seiner Alltags-Empfindungen durch so feine Theorien zu adeln sucht.

 


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