Idee - Bachmann, Hartmann, Lazarus


Nach BACHMANN ist die Idee »die nur durch die Vernunft zu erfassende Urgestalt, als Musterform und belebende Kraft für eine Reihe von Bestrebungen und individuellen Gestalten« (Syst. d. Log. S. 283). Sie kommt nur in den einzelnen Individuen zum Bewußtsein (l.c. S. 288). Nach TRENDELENBURG ist die Idee das »erfüllte Allgemeine, das sich selbst in der Mannigfaltigkeit seiner Bestimmungen darstellt und umfaßt«, das »Wesen unter der Kategorie des selbstschöpferischen Grundes« (Log. Unters. II3, 494 ff.), der »Begriff der Sache, in der organischen Bestimmung eines bedingenden Ganzen erkannt« (l.c. S. 507). Nach FROHSCHAMMER sind die Ideen ewig, sie bilden »die bestimmende Norm« für das Weltprincip, die Phantasie (s. d.), werden durch »plastische Kräfte« zu realisieren gesucht und wirken im Menschengeiste als Triebkräfte (Monad. u. Weltphantas. S. 17). Sie sind zielgebende Normen, das treibende Moment im Weltprocesse, die »unbewußte Vernunft« in der Natur (l.c. S. 18, 74 f., 77). J. H. FICHTE erklärt, dem Schönen liege stets eines der »ewigen Gemeinbilder oder Urgestalten« zugrunde (Psychol. I, 701). »Jedem Unsinnlichen, Gedankenmäßigen ist gleich ursprünglich in der göttlichen Schöpferimagination... sein Sinnbild, seine imaginative Leibesgestalt angeheftet« (l.c. S. 710). Alle Ideen sind jedem Menschengeiste immanent (l.c. S. 112, vgl. S. 135). Nach LOTZE bezieht sich der Gedanke »Idee« auf eine ursprüngliche Einheit in dem Dinge, er bedeutet das Wesen des Dinges, den Grund des Daseins einer Art, den beständigen Sinn veränderlicher Gestalten (Mikrokosm. II2, 165 ff., vgl. S. 570). Lotze teilt die Voraussetzung des Idealismus, »daß nur so viel und nur solches in der Welt existiert, als zugleich in dem Sinne einer wertvollen Idee, die ihr Wesen bildet, seine notwendige Stelle hat« (Medicin. Psychol. S. 159). E. v. HARTMANN sieht in der »Idee« das logische Attribut des »Unbewußten« (s. d.). Die Ideen sind »unbewußte Intellektualfunktionen« (Zum Begr. d. unbew. Vorstell., Philos. Monatsh. 28, 1892, S. 23 f.). G. BIEDERMANN versteht unter Idee den »im Fortschritt seiner unendlichen Entwicklung zu verwirklichenden Begriff« (Philos. d. Gesch. S. XXXIV, 385). CZOLBE: »Die Welt besteht aus zahllosen Gruppen teils sich zeitlich folgender, teils räumlich nebeneinander bestehender ähnlicher Dinge, nämlich solcher, die in wesentlichen... Teilen gleich sind oder übereinstimmen... Dieses Gemeinsame... kann man objektiven Begriff oder Idee nennen und als Abbild dieser ewigen, in sich gegliederten objektiven Welt der Ideen das System der subjektiven Begriffe betrachten, welche den Inhalt der Wissenschaft oder der Erkenntnis des Ewigen, Unveränderlichen und Unvergänglichen bilden« (Gr. u. Urspr. d. m. Erk. S. 169). O. LIEBMANN versteht unter den unveränderlichen Ideen »Gesetzescomplicationen« (Analys. d. Wirkl. S. 393). Die Idee ist »diejenige Complication von Naturgesetzen, welcher entsprechend bei einem bestimmten Zustand der Materie ein Mensch oder ein Individuum... entspringen muß« (l.c. S. 404). Im Universum besteht eine Ideenordnung (l.c. S. 407). Nach B. CARNERI ist die Idee der »konkrete Begriff«. Sie entspricht einer bestimmten Art und ist »das Wirkliche an jedem einzelnen Exemplare« (Sittlichk. u. Darwinism. S. 78). »Keine bestimmte Idee verwirklicht sich... auf einem gegebenen Punkte des Raumes und der Zeit, sondern nur in der Gesamtheit und unendlichen Bewegung aller unter sie begriffenen Einzeldinge« (l.c. S. 78). Die Idee ist »das innerlich der ganzen Gattung Gemeinsame«, eine Macht (l.c. S. 137, 194). Nach LAZARUS sind die Ideen produktive Kräfte, die aus der Veredlung der Ichheit entspringen (Üb. d. Urspr. d. Sitt., Zeitschr. f. Völkerpsychol. I, 462 f., 477). Die Idee ist die höchste und reinste Form der Erkenntnis alles Realen, in ihr wird das wirkliche und wirksame, volle und lebendige Wesen alles Seienden erfaßt. »Die Idee eines Dinges umfaßt sein reales Wesen in dem ganzen Wandel und als Grund seiner Erscheinung« (Zeitschr. f. Völkerpsychol. III, 452, 466). Nach STEINTHAL ist Idee alles, was das Wesen idealer Formung an sich trägt (Allgem. Eth. S. 78). Die Ideen sind sowohl objektiv als subjektiv (l.c. S. 79). Ideen sind auch »die subjektiven Kräfte des Bewußtseins, welches die geschichtlichen Taten, Gebilde und Gedanken erzeugt, insofern sie dabei von den Ideen geleitet wurden« zu nennen (l.c. S. 78). Der »objektive Geist« ist der »Ort der Ideen« (l.c. S. 420, 424, 426). Nach GLOGAU üben die (aus Gott abgeleiteten) Ideen »Sollicitationen« aus, wodurch die endlichen Geister zu geistigen Bildungen veranlaßt werden. Nach SIGWART sind die »Ideen« der Geschichte die Richtungen der Gesamttätigkeit eines Volkes in einer bestimmten Zeit (Log. II2, 632). Nach O. WILLMANN bilden die Ideen »ein Mittelglied zwischen dem Einen und dem Vielen«. Sie stellen ferner das richtige Verhältnis zwischen Erkennen und Sein her. Endlich verknüpfen sie die natürliche und sittliche Welt (Gesch. d. Idealism. III, 215, 218, 221, 223).


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