Ich - Schopenhauer, Nietzsche


Nach SCHOPENHAUER ist das Ich »das pro tempore identische Subjekt des Erkennens und Wollens« (W. a. W. u. V. II. Bd., C. 19). Es ist der »Indifferenzpunkt« von Willen und Intellekt, deren Wurzelstock, gemeinschaftlicher Endpunkt, »der zeitliche Anfangs- und Anknüpfungspunkt der gesamten Erscheinung, d.h. der Objektivation des Willens« (l.c. II. Bd., C. 19). Das »theoretische« Ich ist der »Einheitspunkt des Bewußtseins«, es ist eine Erkenntnisfunktion des »wollenden« Ich (l.c. C. 20). Kern und Trüger des Ich ist der Wille (s. d.). Nach J. H. FICHTE ist das Ich ein Produkt des Geistes (Psychol. I, 167 f.). Das Ich ist »weder ein Reales, noch viel weniger Prinzip eines Realen, sondern lediglich das Produkt einer psychologischen Abstraktion«; es ist »die leere Form. des Selbstbewußtseins, in welcher der Geist seine realen, aber ihm bereits bewußt gewordenen Unterschiede vorstellend zusammenfaßt: Zeichen eines Realen« (Psychol. I, S. XVIII f.). Das Ich ist nichts Substantielles, sondern Prädikat und Merkmal des Geistes (l.c. I, 167). E. V. HARTMANN sieht im Ich keine Substanz, keine Wesenheit, sondern die Erscheinung des unbewußten Subjekts (Philos. d. Unbew.3, S. 535). Das Ich ist »die Abstraktion des Selbstbewußtseins, die leere Form des Selbstbewußtwerdens unter Absehung von allem konkreten Bewußtseinsinhalt, in welcher die Reflexion auf die in allen meinen Bewußtseinsakten identische Form meines Bewußtseins selbst zum Inhalt eines bestimmten Bewußtseinsaktes wird« (Kategorienl. S. 501). Es darf nicht hypostasiert werden (l.c. S. 502). Das »reale Subjekt der psychischen Tätigkeiten« »kann nicht ein Ich, ein schon an und für sich selbstbewußtes, sein, weil das Bewußtwerden selbst erst eine der psychischen Tätigkeiten ist, also ein Posterius des Subjekts sein muß, ein zu ihm erst nachträglich Hinzukommendes« (l.c. S. 507). Das Ich ist »eine subjektiv ideale Erscheinung der Seele« (l.c. S. 511). So auch A. DREWS (Das Ich S. 132). Das Ich ist »Subjekt«, »aber dies bedeutet nicht das reale denkende Subjekt, sondern nur den subjektiven Pol des Bewußtseins, dem das Objekt als sein notwendiges Korrelat gegenübersteht« (l.c. S. 138). Das Ich ist die Form des Bewußtseins (l.c. S. 144), setzt das Bewußtsein schon voraus (ib.). Jedes Ich ist ein empirisches Ich (l.c. S. 228). Die Ichheit ist der einheitliche Akt des Zusammenfassens, der bei allen Wesen identisch ist (ib.). Das Selbigkeitsbewußtsein bezieht sich »nur auf die unbewußten Faktoren des Bewußtseinsinhalts« (Arch. f. system. Philos. VIII, S. 207). Die Wirklichkeit des Ich ist bloß eine ideelle (l.c. S. 208). Jeder Versuch, das Reale unmittelbar vom Ich aus zu bestimmen, hebt sich schließlich in seinen Konsequenzen selber auf (Das Ich S. 130). - NIETZSCHE erklärt das »Subjekt« des Bewußtseins für eine Fiktion (WW. XV, 282). Das Ich darf nicht substantialisiert werden (WW. XV, 354). Es ist eine Mehrheit von Kräften, von denen bald diese, bald jene im Vordergrunde steht; der »Subjektpunkt« springt herum (WW. XI 6,157). Das Ich als primäre Ursache, als Täter ist eine Fabel (WW. VIII 2, S. 94 f.). Ich und »organisches Einheitsgefühl« sind zu unterscheiden. Das Ichbewußtsein ist das letzte, was hinzukommt, wenn ein Organismus fertig funktioniert (WW. XII 1, 32). Das Selbstbewußtsein ist ein soziales Produkt (WW. V, S. 293).


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