Unbewußt - Descartes, Locke, Plattner, Leibniz

Die untrennbare Verknüpfung des Bewußtseins mit der Seele betont DESCARTES. Die Seele »denkt« immer, aber es besteht nicht immer Erinnerung (Resp. ad obiect. IV). Ähnlich lehrt MALEBRANCHE (vgl. Rech. III, 2, 7. VI, 1, 5). Nach LOCKE denkt die Seele nicht immer, mit dem Denken aber ist stets Bewußtsein verbunden (Ess. II, ch. 1, §10). Während R. CUDWORTH die Priorität des Unbewußten ausspricht, lassen CL. PERAULT und STAHL das Unbewußte aus dem Bewußtsein hervorgehen (vgl. Volkmann. Lehrb. d. Psychol. I4, 174).

Nach LEIBNIZ entsteht das Bewußtsein (s. d.) aus Bewußtseinsdifferentialen, dem »petites perceptions«, welche für sich allein nicht bewußt sind, durch ihr Zusammenwirken bezw. durch ihre Steigerung aber Bewußtsein konstituieren (Gerh. V, 48. VI, 600). »Ces petites perceptions sont donc de plus grande efficacité par leur suites qu'on ne pense. Ce sont elles qui forment ce je ne say quoy, ces goûts, ces images des qualités des sens, claires dans l'assemblage, mais confuses dans les parties. ces impressions que des corps environnants font sur nous, qui enveloppent l'infini, cette liaison que chaque estre a avec tout le reste de l'univers« (l. c. V, 48). Sie sind »perceptions insensibles« (l. c. p. 49). Alle Eindrücke wirken auf uns, aber nicht alle sind bemerkbar. von allen Vorstellungen bleibt, etwas zurück, keine kann völlig ausgelöscht werden (Nouv. Ess. II, ch. 1, § 11). Auch den organisch-vegetativen Prozessen entsprechen psychische Vorgänge, deren man sich aber nicht bewußt ist (l. c. II, ch. 1, § 15. vgl. § 19). Ähnlich lehrt CHR. WOLF (Psychol. rational. § 58 ff.). Unbewußte Vorstellungen gibt es nach BAUMGARTEN (Acroas. Log. § 14), TETENS (Philos. Vers. I, 265). dagegen DE CROUSAZ (Log. I, sct. 3, C. 1) und BONNET (Ess. ch. 35). Nach PLATNER gibt es »dunkle, bewußtlose« Vorstellungen, d.h. solche, denen der kleinste Grad des Bewußtseins abgeht (Philos. Aphor. I, § 63 f.). Das Bewußtsein ist »eine Beziehung der Vorstellung teils auf einen Gegenstand, welchen die Vorstellung ausdrückt, teils auf die Seele, welche die Vorstellung habe« (Log. u. Met. S. 21). »Vorstellungen ohne Bewußtsein sind solche, wo das Anerkennen nicht vollbracht ist«, sie sind das, »was Kant blinde Anschauungen nennt« (l. c. S. 23).


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