Unendlich - Fichte, Schelling, Steffens

J. G. FICHTE betrachtet die Tätigkeit des Ich (s. d.) als ins unendliche gehend. Das absolute Ich ist »unendlich und unbeschränkt«. »Alles, was ist, setzt es, und was es nicht setzt, ist nicht (für dasselbe, und außer demselben ist nichts). Alles aber, was es setzt, setzt es als Ich, und das Ich setzt es, als alles, was es setzt. Mithin faßt in dieser Rücksicht das Ich in sich alles, d. i. eine unendliche unbeschränkte Realität.« »Insofern das Ich sich ein Nicht-Ich entgegensetzt, setzt es notwendig Schranken und sich selbst in diese Schranken. Es verteilt die Totalität des gesetzten Seins überhaupt an das Ich und an das Nicht-Ich und setzt demnach insofern sich notwendig als endlich« (Gr. d. g. Wiss. S. 232 f.). »Insofern das Ich sich als unendlich setzt, geht seine Tätigkeit (des Setzens) auf das Ich selbst, und auf nichts anderes, als das Ich. Seine ganze Tätigkeit geht auf das Ich, und diese Tätigkeit ist der Grund und der Umfang alles Seins. Unendlich ist demnach das Ich, inwiefern seine Tätigkeit in sich selbst zurückgeht, und insofern ist denn auch seine Tätigkeit unendlich, weil das Produkt derselben, das Ich, unendlich ist... Die reine Tätigkeit des Ich allein und das reine Ich allein ist unendlich. Die reine Tätigkeit aber ist diejenige, die gar kein Objekt hat, sondern in sich selbst zurückgeht.« »Endlich ist das Ich, insofern seine Tätigkeit objektiv ist« (l. c. S. 234 f.). Beim Setzen (s. d.) des Gegenstandes liegt der Grenzpunkt da, »wohin in die Unendlichkeit ihn das Ich setzt. Das Ich ist endlich, weil es begrenzt sein soll. aber es ist in dieser Endlichkeit unendlich, weil die Grenze ins unendliche immer weiter hinausgesetzt werden kann. Es ist seiner Endlichkeit nach unendlich, und seiner Unendlichkeit nach endlich« (l. c. S. 237). Das unendliche absolute Streben kommt als solches nicht zum Bewußtsein, »weil Bewußtsein nur durch Reflexion und Reflexion nur durch Bestimmung möglich ist« (l. c. S. 252). »Dennoch schwebt die Idee einer solchen zu vollendenden Unendlichkeit uns vor und ist im Innersten unseres Wesens enthalten« (l. c. S. 253). »Das Ich ist unendlich, aber bloß seinem Streben nach. es strebt unendlich zu sein« (l. c. S. 203 f.). Ähnlich bemerkt SCHELLING: »Daß die ursprünglich unendliche Tätigkeit des Ich sich selbst begrenze, d.h. in eine endliche verwandle (im Selbstbewußtsein) ist nur dann begreiflich, wenn sich beweisen läßt, daß das Ich als Ich unbegrenzt sein kann, nur insofern es begrenzt ist, und umgekehrt, daß es als Ich begrenzt, nur insofern es unbegrenzt ist.« »Das Ich ist alles, was es ist, nur für sich selbst. Das Ich ist unendlich, heißt also, es ist unendlich für sich selbst« (Syst. d. transzendental. Ideal. S. 72). »Das Ich ist unendlich für sich selbst, heißt, es ist unendlich für seine Selbstanschauung. Aber das Ich, indem es sich anschaut, wird endlich. Dieser Widerspruch ist nur dadurch aufzulösen, daß das Ich in dieser Endlichkeit sich unendlich wird, d.h. daß es sich anschaut als ein unendliches Werden« (l. c. S. 73 f.). Der Raum wird durch die Zeit, die Zeit durch den Raum endlich, d.h. bestimmt und gemessen (l. c. S. 216). »Die Endlichkeit im eigenen Sein der Dinge ist ein Abfall von Gott« (WW. I 6, 566 f.). Nach J. J. WAGNER ist die Endlichkeit »nichts als das Leben, in welchem Grenzen gesetzt werden durch es selbst« (Organ. d. menschl. Erk. S. 11). Nach ESCHENMAYER ist für Gott die Welt nicht unendlich (Gr. d. Naturphilos. S. 11). STEFFENS erklärt: »Schauen wir ein Endliches als ein solches, so hat dieses Endliche den Grund seines Daseins nicht in sich selbst. es ist bestimmt durch ein anderes Einzelnes, dieses wieder durch ein anderes, und so fort ins unendliche.« Jedes Endliche weist auf eine unendliche Möglichkeit hin. Für die Vernunft aber ist »jede endliche Wirklichkeit mit der unendlichen Möglichkeit unmittelbar verknüpft, und ein jeder Potenz bezeichnet ein wahrhaft Ewiges nur unter der bestimmten Potenz des Besondern« (Grdz. d. philos. Naturwiss. S. 5). Für die ewige Vernunft ist das Endliche ein Nicht-Reales (l. c. S. 6). In der Vernunft erkennen heißt, »ein jedes Einzelne in seinem Wesen, d.h. in der Potenz des Ewigen erkennen« (l. c. S. 6. vgl. Ewigkeit: Spinoza). Jeder Begriff ist als solcher ein Unvergängliches (l. c. S. 9. vgl. Anthropol. S. 202 f.). -


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