Prinzipien, metaphysische

Prinzipien, metaphysische, (archai): Anfänge, Seinsgrundlagen, Urgründe der Dinge, aus welchen sie hervorgehen. Die metaphysische Prinzipienlehre löst das mythologische (s. d.) Denken ab. Ale Prinzip der Dinge gilt bald ein bestimmter Stoff, bald ein Stoff schlechthin, bald ein Formales, Geistiges.

Das Wasser als Prinzip tritt schon bei HOMER auf: Ôkeanos, hôsper genesis pantessi tetyktai (Iliad. XIV, 246, 201. vgl. Plato, Crat. 402). Dann bei Thales: 'Archên de tôn pantôn hydôr hypestêsato (Diog. L. I 1, 27). Aus Wasser, zu Wasser wird alles: ex hydatos gar phêsi panta einai kai eis hydôr panta analyesthai (Stob. Ec1. I 10, 290). Denn das Leben erwächst aus Feuchtem: stochazetai d' aei ek toutou, hoti pantôn tôn zôôn hê gonê archê estin, hygra ousia... deuteron, hoti panta phyta hygrô trephetai kai karpophorei, amoirounta de xêrainetai. triton, hoti kai auto to pyr to tou hêliou kai tôn astrôn tais tôn hydatôn anathymiasesi trephetai kai autos ho kosmos (l. c. I. 10, 292). dio kai tên gên eph hydatos apephaineto einai, labôn isôs tên hypolêpsin tautên ek tou pantôn horan tên trophên hygran ousan kai auto to thermon ek toutou gignomenon kai toutô zôn... dia te dê touto tên hypolêpsin labôn tautên, kai dia to pantôn ta spermata tên physin hygran echein, to d' hydôr archên tês physeôs einai tois hygrois (Aristot., Met. I 3, 983 b 20 squ.). Nach ANAXIMENES ist Prinzip die Luft: houtos archên aera eipe (Diog. L. II, 2, 3. Stob. Ecl. I 10, 296. Aristot., Met. I 3, 984 a 5). Die Luft ist beseelt: hoion hê psychê hê hêmetera aêr ousa synkratei hêmas, kai holon ton kosmon pneuma kai aêr periechei (Stob. Ecl. I 10, 296). Auch DIOGENES VON APOLLONIA hält die Luft für das vernünftige Prinzip der Dinge. Dieses ist mega kai ischyron kai aidion te kai athanaton kai polla eidos, hat noêsis, beherrscht alles, panta kai kybernasthai kai pantôn kratein, ist allem immanent, en panti eneinai (Simpl. in Arist. Phys. 152, 22). Auch nach IDAEUS AUS HIMERA ist die Luft Prinzip (Sext. Empir. adv. Math. IX, 360). HERAKLIT bestimmt das Unwesen als (vernünftiges) »Feuer«, das bald erlischt bald neu sich entzündet: kosmon tonde ton auton hapantôn oute tis theôn oute anthrôpôn epoiêsen, all' ên aei kai estin kai estai pyr aeizôon, haptomenon metra kai aposbennymenon metra (Clem. Alex., Strom. V, 559). 'Ek pyros ta panta synestanai kai eis touto analyesthai (Diog. L. IX 1, 7. Aristot., Met. I 3, 984a 7. Stob. Ecl. I 10, 304). Wasser und Erde sind pyros tropai (vgl. Logos, Welt). Als Feuer faßt das materielle Prinzip der Dinge auch HIPPASUS auf. ANAXIMANDER nennt als Prinzip das Apeiron (s. d.), ANAXAGORAS die Homöomerien (s. d.) und den »Geist« (s. d.), EMPEDOKLES die Elemente (s. d.), DEMOKRIT die Atome (s. d.) und das »Leere« (s. Raum), die Eleaten das Sein (s. d.), die Pythagoreer ein Formprinzip, die Zahl (s. d.), PLATO die Ideen (s. d.) und die »Materie« (s. d.). ARISTOTELES stellt als formale Prinzipien auf: Form (eidos), Stoff (hylê), Ursache (aitia), Zweck (hou heneka), die er auch auf zwei, Form (s. d.) und Materie (s. d.), zurückführt (ta aitia legetai tetrachôs, hôn mian men aitian phamen einai tên ousian kai to ti ên einai, ... heteran de tên hylên kai to hypokeimenon, tritên de hothen hê archê tês kinêseôs, tetartên de tên antikeimenên aitian tautê, to hou heneka kai tagathon, telos gar geneseôs kai kinêseôs pasês tout' estin, Met, I, 3. vgl. V, 2. VIII, 4. Phys. II, 3). Die Stoiker kennen zwei Prinzipien: das Tätige (to poioun) und das Leidende (to paschon) (Diog. L. VII, 134), ersteres ist das alles durchdringende göttliche Pneuma (s. d.), letzteres die Materie (s d.). - Nach PLUTARCH gibt es ein gutes und ein böses Prinzip (De Isi et Osir. 45. so schon im Parsismus, auch bei den Ägyptern). PLOTIN leitet alles aus dem »Einen« (s. d.) ab. GALEN fügt zu den vier Aristotelischen Prinzipien noch das di' hou (Mittelursache) hinzu (De usu part. corp. hum. VI, 13).

PARACELSUS bestimmt als Prinzipien der Materie »sulphur, sal, mercur« (Meteor. p. 72 ff.). Nach PATRITIUS ist im Urprinzip alles potentiell enthalten (Panarch. I, p. 1 ff.. IV, 7 f.), es ist »Un-omnia« (l. c. VII, p. 12 ff.). TELESIUS lehrt zwei Prinzipien, Grundkräfte: Wärme und Kälte. erstere wirkt verdünnend, belebend, letztere zieht zusammen, läßt erstarren. beide sind unkörperlich (De nat. rer. I, p. 2 ff.). Auch CAMPANELLA betrachtet Wärme und Kälte als Prinzipien, Grundkräfte (De sensu rer. III, 5. Univ. philos. I, 9, 12). Nach J. B. VAN HELMONT wirkt in jedem Dinge ein »principium vitale et seminale« (Caus. et init. rer nat. p. 33 f.). NICOLAUS TAURELLUS nimmt als Prinzipien Gott und die Natur an (Philos. triumph.). Als Naturprinzipien betrachtet RÜDIGER: Leben (Seele), Äther (Licht), Luft (auch Erde) (Physica divina, 1716). - SCHELLING bestimmt als Seinsprinzipien (im Absoluten): »1) das blinde, für sich grenzen-, darum auch verstandlose Sein. wir wollen dies auch das reale Prinzip nennen. 2) das ihm entgegengesetzter welches die Ursache der Begrenzung, des Maßannehmens und eben dadurch der Erkennbarkeit, mit einem Wort des Subjektivwerdens jenes ersten ist. wir wollen dieses das ideale Prinzipnennen« (WW. I 10, 242. vgl. Apeiron: Pythagoreer, Plato). Aus dem Zusammenwirken zweier entgegengesetzter Prinzipien geht erst das Erkennbare wie das Erkennende hervor (l. c. S. 246). - Über Seinsprinzip im weiteren Sinne vgl. Gott, Pantheismus, Materialismus, Spiritualismus, Monismus, Identitätslehre, Dualismus, Materie, Kraft, Sein, Wille (BÖHME).


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