Pantheismus

Pantheismus (pan, theos) ist die Lehre, daß Gott (s. d.) und Welt nicht zwei wahrhaft voneinander geschiedene, außereinander bestehende Wesenheiten sind, sondern daß Gott selbst die Alleinheit, das All selbst Gott, alle Dinge Modi (s. d.), Partizipationen der Gottheit, diese den Dingen (als deren substantiale Wesenheit) immanent, einwohnend ist, so daß alles zwar nicht selbst Gott, aber doch (sub specie aeternitatis betrachtet) von göttlicher Natur ist. Der naturalistische Pantheismus nähert sich dem Atheismus, indem er Gott und Natur (s. d.) identifiziert, der idealistische (spekulative) Pantheismus bestimmt die Alleinheit als Identität (s. d.) von Geist und Natur oder als Geist (Vernunft, Wille). - »Pantheist« zuerst bei J. TOLAND (Pantheisticon 1705), »Pantheismus« bei dessen Gegner FAI (1709).

Betreffs der Geschichte des Pantheismus s. Gott. Zur Ergänzung diene das Folgende. Nach den Upanishads gibt es in Wahrheit nur ein Wesen hinter allen Erscheinungen (DEUSSEN, Sechzig Upan., Vorr. X. s. Idealismus). Einen naturalistischen Pantheismus lehrt PLINIUS, nach welchem die Natur die Gottheit ist (Histor. natur. II). - Pantheist ist DIDEROT (La vérité), DESCHAMPS: »Le tout universel est un être qui existe, c'est le fond dont tous les êtres sensibles sont des nuances« (Überweg-Heinze, Gr. d. Gesch. d. Philos. III9, 250), GOETHE (»das ewig Eine, das sich vielfach offenbart«, WW. II, 227. XXXIII, 188). Gott ist, wirkt, als das Ewige im Wechsel (WW. XXXIV, 207) in der Natur, die Natur in Gott (s. d.). - SCHELLING erklärt: »Gott und Universum sind eins oder nur verschiedene Ansichten eines und desselben. Gott ist das Universum, von der Seite der Identität betrachtet, ist alles, weil er das allein Reale, außer ihm also nichts ist« (WW. I 4, 128). Ähnlich B. H. BLASCHE (Philos. Unsterblichkeitslehre 1831). G. WEISSENBORN unterscheidet mechanischen, ontologischen, dynamisch-psychologischen, ethischen, logischen Pantheismus (Vorles. üb. Panth. u. Theism. 1850). Er bekennt sich selbst zum Theismus. Auch GIOBERTI, welcher aber gleichwohl in den Dingen Individualisationen der Ideen in Gott sieht. HEBBEL bemerkt: »Alles Individuelle ist nur ein an dem Einen und Ewigen hervortretendes und von demselben unzertrennliches Farbenspiel« (Tageb. I, 323). Einen »Semipantheismus«, nach welchem ein Teil des Göttlichen durch Gott selbst zur Welt wird, lehrt M. CARRIERE (Sittl. Weltordn. S. 384), auch CHR. PLANCK (Testam. ein. Deutsch. S. 467). Nach ROMANES ist Gott unpersönliches »World-Eject« (The World as an Eject 1895). Nach VOLKELT ist Gott die eigene Substanz der Welt, das All-Eine. Einen »transzendenten Pantheismus« lehrt FORTLAGE, einen »konkret-monistischen Pantheismus« E. v. HARTMANN (Gesch. d. Met. II, 599 f., vgl. Rel. d. Geist. S. 136). Vgl. JAESCHE, Der Pantheism. 1826. SCHULER, Der Pantheism. 1884. ILARIU-SOCOLIU, Grundprobl. d. Philos. S. XVI. EUCKEN, Der Wahrheitsgeh. d. Relig. S. 187 f.

 

 


Vergleiche ferner:

- Pantheismus (Kirchner, Wörterb. d. phil. Grundbegr.)

- Der Pantheismus der Kunst (Hegel, Vorl. z. Ästhetik)


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Seite zuletzt aktualisiert: 14.11.2004 
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